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Play with Fire II. Veranstaltungreihe zu Pop und Politik

“Fight for your Right to Party!”

Die verbale Spitze der Oberbürgermeisterin von Manchester Elaine Boyes bei ihrem Besuch im Mai in Chemnitz, die Stadt sei zwar recht schön, “nur ein paar Bars im Nachtleben vermisse ich” zeugte vom Aufeinanderprall zweier Welten. Die Politikerin der britischen Metropole trägt das Nachtleben ihrer Stadt samt popkultureller Identität stolz vor sich her, wobei schon seit Jahren wenig musikalisch Interessantes aus der Stadt zu hören ist, die ironische Verarbeitung des Chemnitzer Lebenselends durch fünf seiner Einwohner hingegen wird zwar zum Charterfolg, aber diese Schwalbe macht in Chemnitz noch lange keinen Popsommer. Im Gegenteil, die Debatte um vermeintlichen Kulturlärm und die drohende Schließung des Clubs Atomino deuten an, dass der von manchen Kreativen erträumte Wandel des sächsischen Manchester zur Kulturwirtschaftsstadt verendet, bevor er überhaupt begonnen hat. Damit steht Chemnitz aber nicht alleine da. Die Entwicklungen im Saarland oder Ruhrgebiet verlaufen ähnlich.
Die aktuelle Auseinandersetzung um die drohende Schließung des Clubs Atomino fördern nicht allein die tiefen Risse um die Fragen der Stadtentwicklung in Chemnitz zutage sondern weiter gehend auch die Frage nach der Rolle von Popkultur in einer nachmodernen Gesellschaft. Wie protest-, kritik- und politikfähig ist die Kulturszene?
Dass Chemnitz als “schrumpfende Stadt” von den auch andernorts festgestellten Problemen wegbrechender sozialer und kultureller Perspektiven und Potentiale stark betroffen ist, spürt jede_r, die/der hier etwas auf die Beine stellen will. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Wissen, Geld, Technologie, Connections sind rar. Die Musikkultur stirbt ab. Größere Bands machen meist einen Bogen um die Stadt. Zu wenig Besucherpotential. (mehr…)

Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der NSU – wo hört der Staat auf?

Freitag. 13.09.2013, 19:00, AJZ Chemnitz/M54

Vortrag und Diskussion mit Wolf Wetzel

13 Jahre blieb der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) unentdeckt. Neun Morde wurden begangen, neun Mal verschoben die Behörden verschiedener Bundesländer die Mordhintergründe ins „ausländische Milieu“. Neun Mal will man keine ›heiße Spur‹ gehabt haben. Dennoch legte man alle neun Morde in die Blutspur des „organisierten Verbrechens“.
Nachdem die Existenz des NSU nicht mehr zu leugnen war, reihte sich eine Panne an die andere. Dass in allen Behörden Beweise verschwinden, Akten verheimlicht, Falschaussagen gemacht, ganze Aktenberge geschreddert werden, beweist, dass weder „Behördenwirrwar“ noch „Kommunikationschaos“ herrsch(t)en, sondern der gemeinsame Wille, unter allen Umständen zu verhindern, dass etwas ans Licht kommt, was den bisherigen Erklärungen widersprechen würde.
Ab wie vielen Pannen muss man von einem System sprechen? Wenn über zwei Dutzend V-Männer hervorragende Kontakte zur neonazistischen Organisation „Thüringer Heimatschutz“ und zu den späteren Mitgliedern des NSU hatten, waren staatliche Stellen nicht etwa auf dem ›rechten Auge blind‹, sondern ließen sehenden Auges zu, dass über sieben Jahre hinweg neun Morde begangen werden konnten.
In der Veranstaltung wollen wir über das Verhältnis von staatlichen Stellen und neonazistischen (Terror)Gruppen diskutieren. Dabei muss die Verfasstheit des politischen Systems in der Bundesrepublik in den Blick genommen, also die Frage gestellt werden: „In welchem Staat leben wir, auf welchem Weg befinden wir uns heute?“
Für eine antifaschistische Bewegung wird zu klären sein, welche politischen Konsequenzen aus dem NSU-VS-Komplex zu ziehen sind und warum bisher eigenständige kritische Interventionen weitgehend ausgeblieben sind.
Diese Fragen werden in der Stadt gestellt, in der der Unterschlupf für die abgetauchten Nazis organisiert und abgesichert wurde. (mehr…)

VA-Hinweis: Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn

Folgende VA der VHS Chemnitz empfehlen wir freundlich:

28. Mai 2013, 19:00 Uhr, DAStietz – Veranstaltungssaal
Vortrag und Diskussion mit Peter Bierl

Durch die irritierenden Umstände der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise bekommen Theorien der Freiwirtschaftsbewegung neuen Auftrieb. Die Grundlagen dafür bildete der Freiwirtschaftstheoretiker Silvio Gesell (1862 – 1930). Seine über weite Strecken rassistische Lehre, seine um die Produktionssphäre verkürzte Ökonomiekritik, seine horriblen Visionen von einem neuen Manchesterkapitalismus, sein Sozialdarwinismus und seine Frauenfeindlichkeit bieten noch heute vielen Verschwörungstheoretikern, rechten und antisemitischen Gegnern eines anonymen »Finanzkapitalismus«, aber eben auch wohlmeinenden und naiven Kritikern von »Geld und Zins« eine ideologische Heimstatt.
Peter Bierl ist Journalist und u. a. Autor von „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik“. Eine VA der VHS Chemnitz in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

VA-Reihe: Stabil im Absturz! Ursachen und Verlauf der Krise

Veranstaltungsreihe zur Krise im Mai in der VHS Chemnitz:

Mit der „Kernschmelze der Finanzwirtschaft“ vom Oktober 2008 sehen viele Beobachter die tiefste Wirtschaftskrise seit der großen Depression Anfang der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts gekommen.
Mittlerweile befindet sich auch die Eurozone mittendrin, die Volkswirtschaften von Griechenland, Portugal, Spanien und Italien befinden sich am Abgrund. Nach Meinung der Bundesregierung hätten diese südlichen Staaten zu lange über ihre Verhältnisse gelebt und müssten nun die Rechnung bezahlen. Finanzielle Hilfe wird an strenge Auflagen und eine Spardiktatur gebunden, was bisher nur zum weiteren Einbruch der Wirtschaftsleistung und zum Anwachsen der Defizite der jeweiligen Länder geführt hat.
Die deutsche Sparpolitik wird daher von Kritiker_innen als katastrophal eingeschätzt. Statt eines Sparkonzepts sollten Finanzmärkte und Wirtschaft mit billigem Geld angekurbelt werden. Wenn die Wirtschaft wieder in Schwung kommt, werden die Schulden wieder abgebaut, lautet das Credo des keynesianischen Wirtschaftsmodells. Was aber, wenn die Verschuldung nicht zu neuem Wachstum führt, sondern nur zu neuen Schulden?

Ursachen der Krise: 8. Mai 2013, 18:45-20:15 Uhr,
Krisenbewältigung in der Krise: 22. Mai 2013, 18:45-20:15 Uhr
Grenzen einer keynesianischen Krisenbewältigung: 5. Juni 2013, 18:45-20:15 Uhr

Die Reihe wird veranstaltet durch das Bildungskollektiv Chemnitz. Die Veranstaltungen haben einführenden Charakter und wollen anhand aktueller Kontroversen zu einer kritischen und grundlegenden Auseinandersetzung mit der aktuellen Krise anregen. Sie sind entgeldfrei und finden in Räumen der VHS statt.

VA-Hinweis: Beschweren erleichtern – Warum ist eine demokratische Kontrolle der Polizei notwendig?

Auf folgende VA sind wir gebeten worden hinzuweisen:

Donnerstag, 11.4.2013, 19.00 Uhr, Neue Sächsische Galerie im DAStietz Chemnitz

Informations- und Diskussionsveranstaltung zur Errichtung einer unabhängigen Polizeibeschwerdestelle (UPBS) in Sachsen, um unabhängige, objektive und transparente Untersuchungen polizeilichen Fehlverhaltens zu ermöglichen.

Wenn es zu individuell wahrgenommenen vermeintlichen oder tatsächlichen Fehlverhalten durch Polizeibeamte kommt, müssen die Betroffenen die Möglichkeit haben sich über dieses Fehlverhalten beschweren zu können, ohne hohe Hürden und ohne Angst vor persönlichen Nachteilen. (mehr…)

VA-Hinweis: Vom Stülpner Karl, dem Hoelz Max und Heckert Fritz

Auf folgende Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung sei hingewiesen:

Freitag 15.02.2013, Rothaus (Lohstraße 2), 18:00 Uhr

In der Veranstaltung werden anhand von Referaten und Filmbeiträgen die Biographien von drei widerspenstigen Sachsen beleuchtet, die sich Zeit ihres Lebens gegen Ungerechtigkeiten wehrten. Den Anfang macht der sächsische Robin Hood Karl Stülpner, der u.a. als Wilderer den Reichen nahm und den Armen gab. Gefolgt vom Hoelz Max, der als revolutionärer Arbeiter nach dem ersten Weltkrieg für Aufruhr sorgte und einen legendären Ruf erlangte, weil er seinen Verfolgern immer wieder entwischte. Seine Karriere brachte ihn auf die erste Ausbürgerungsliste der Nazis nach deren Machtergreifung 1933. Dort fand er sich wieder mit Fritz Heckert, dem zeitweiligen KPD-Wirtschaftsminister Sachsens. Es werden somit drei Persönlichkeiten vorgestellt, die in Sachsen und auch in Chemnitz eine bedeutende Rolle in der Widerstandsgeschichte gespielt haben.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Mobilisierung gegen den Naziaufmarsch am 5. März in Chemnitz statt und möchte einen Bogen von der antifaschistischen Widerstandsgeschichte zu heutigen Aktivitäten spannen.

Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und des AJZ.

Schlapphut-Knarre-Hakenkreuz: Alles in bester Verfassung?

Standpunkt Bremen + Flashmob Oldenburg* + AK: Stopp dem VS-Wahnsinn! zeigen:

Schlapphut-Knarre-Hakenkreuz: Alles in bester Verfassung?
Notwendige Recherchen zum Verhältnis zwischen Nazis und bürgerlichem Staat

Donnerstag 31. Januar 19 Uhr
Orangerie – Zentrales Hörsaalgebäude der TU Chemnitz – Raum N 113
Reichenhainer Srasse 90, 09126 Chemnitz

…einen bezaubernden, immer wiederkehrenden Typus
eines Waschlappen: Demokraten mit Pelerine,
Umhängebart, Schlapphut, Regenschirm und
der jeweils nötigen Überzeugung…
(Kurt Tucholsky)

Der Untersuchungsausschuss ist ein parlamentarischer Ausschuss, der besondere Sachverhalte aufklären soll.
In der bisherigen Geschichte hat sich noch kein Untersuchungsausschuss als “scharfes Schwert” der Opposition erwiesen oder gar sinnvoll zur Aufklärung von Sachverhalten beigetragen. Deshalb bieten wir einen etwas anderen Untersuchungsausschuss. Den vierten neben den Dreien vom Bund, Thüringen und Sachsen, um Hintergründe und Zusammenhänge der Morde aufzuklären, die von einer sogenannten Terrorzelle mit dem Markenzeichen NSU verübt worden sein sollen. Wir fordern darüber hinaus ein unabhängiges international besetztes Komitee, das allen Verschleierungsbegehren vonseiten staatlicher Einrichtungen und organisierter Nazis Einhalt bietet. (mehr…)

„Weder links noch rechts?“ – Zeev Sternhells Analyse der faschistischen Ideologie

Mittwoch 5.12.2012 19 Uhr TU Chemnitz Reichenhainer Strasse 90 Hörsaal N 101
„Weder links noch rechts?“ – Zeev Sternhells Analyse der faschistischen Ideologie
Vortrag und Diskussion mit dem Verleger Jörg Sundermeier (Verbrecherverlag Berlin)

„Es gibt in unserem politischen Vokabular nur wenige Begriffe, die sich einer solch umfassenden Beliebtheit wie das Wort Faschismus erfreuen, ebenso aber gibt es nicht viele Konzepte im politischen Vokabular der Gegenwart, die gleichzeitig derart verschwommen und unpräzise umrissen sind.“ Mit diesem Satz leitete der bedeutende israelische Historiker Zeev Sternhell 1976 seinen Aufsatz „Faschistische Ideologie“ ein. Dieser Satz gilt bis heute – insbesondere für Deutschland. Daher nimmt Sternhell in dieser Einführung, die der kleine Berliner Verbrecherverlag 2002 erstmals als Übersetzung vorlegte, eine genaue Bestimmung des Begriffes Faschismus aus seiner historischen und ideologischen Entwicklung heraus vor. Sternheils Untersuchung sieht die Ideologie des Faschismus als eine Synthese dreier Hauptelemente. antidemokratischer und oft biologisch-deterministischer Nationalismus, die kulturelle Avantgardebewegung des Futurismus und eine revolutionäre Attitüde, die jedoch nicht mehr die Arbeiterklasse sondern die Nation als revolutionäres Subjekt ansah, flössen zu dieser Ideologie zusammen. Zeitgenössischen Betrachtern erschien der Faschismus deshalb auch als dritter Weg, als „ni droite ni gauche“ – als „weder links noch rechts“ – da die faschistische Bewegung scheinbar sowohl mit der alten besitzbürgerlichen und konservativen Rechten als auch mit der alten sozialdemokratischen und marxistischen Linken gebrochen hatte. (mehr…)

VA-Hinweis: Und tschüss?! Exklusion (aus) der Arbeitswelt

Auf folgende VA „Gedankenspiel #6″ hinzuweisen, wurden wir gebeten:

Filmaufführung: „work hard – play hard“ und Gespräch mit der Regisseurin Carmen Losmann und Prof. G. Günter Voß (TU Chemnitz)

Montag, 3. Dezember 2012, Weltecho, Annaberger Str. 24, Chemnitz
Beginn: 19:30 Uhr, Eintritt frei

Arbeit ist ein zentrales Element für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Denn wer arbeitet, bekommt Anerkennung und ist eingebettet in soziale Netzwerke. Gleichzeitig stehen Arbeitnehmer_innen in Zeiten vielfacher Krisen und einem immer rascheren Wandel der Arbeitswelt unter einem permanenten Anpassungsdruck. Sie sind permanent gefordert, sich durch Selbstoptimierung und Selbstdisziplinierung anzupassen und dabei stets möglichst flexibel zu sein und erreichbar zu bleiben. (mehr…)

Wie man Neonazis kritisieren sollte und wie besser nicht. Zum Elend der Kritik am (Neo-)Faschismus.

Vortrag und Diskussion mit Freerk Huisken
Montag 26.11. | 19:30 | Lokomov, Augustusburger Str. 102

Demokraten aus Politik und Öffentlichkeit können Rechtsextremismus und (Neo-)Faschismus nicht kritisieren. Wie sollten sie auch den Nationalismus deutscher Bürger angreifen, wenn diese patriotische Gesinnung für sie doch eine zentrale Produktivkraft ihrer demokratischen Herrschaft darstellt. Dafür grenzen sie den (Neo-)Faschismus aus, kriminalisieren ihn und erörtern erneut das Parteienverbot. Sie veröffentlichen Steckbriefe von den Funktionären und enttarnen Neonazis an ihrer Kleidung, ihren Codes und ihrer Musik. Also ob Bürger nur wissen müssten, wie neue Faschisten aussehen und sich kleiden, um sich von ihnen abzuwenden. Man findet sie zudem ungebildet, dumm, dumpf und versoffen – viel zu sehr unter Niveau, als dass es ihre Parolen verdienten, als politisches Programm ernst genommen zu werden. Das rächt sich. (mehr…)