Archiv der Kategorie 'is schon schlimm'

Is‘ schon schlimm – hören…

Zwei Vorträge der letztjährigen Veranstaltungsreihe „Is‘ schon schlimm“ sind jetzt bei archive.org zu hören:
Fathiyeh Naghibzadeh am 27.10.2010 – Angst vor der Sexbomb? Die Geschichte der Männlichkeit im Iran – über eine Art der „Verwilderung des Patriarchats“ im Iran und Joachim Bruhn am 28.11.2010 – Eine Seefahrt. Die ist lustig? Zur Geschichte des deutschen Antizionismus – darüber, dass neben einer antisemitischen Kapitalkritik eine antisemitische Staatskritik, der Antizionismus, kritisiert gehört (Die Ton-Qualität der Vorträge ist leider fast jenseits von gut und böse.)

Männer-WG Grand Hotel Abgrund? Über das Geschlechterverhältnis in der kritischen Theorie

Der entfallene Vortrag vom Dezember 2010 mit Micha Böhme im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“ wird am Mittwoch, den 16.02.2011 um 19:00 im AJZ Chemnitz nachgeholt.

Welche Erkenntnisse klammern bisherige geschlechterkritische Lektüren der Dialektik der Aufklärung aus:
1. weil sie nicht mit Walter Benjamins Begriff der Urgeschichte, der Kontinuität von Herrschaft, arbeiten,
2. das Naturverständnis Horkheimers und Adornos ausblenden, oder
3. das Kapitel “Elemente des Antisemitismus” nicht im Kontext der Argumentation des Buches betrachten?

Die geschichtliche „Konstellation“ (Benjamin) vor deren Hintergrund Horkheimer und Adorno die Dialektik der Aufklärung (DdA) schreiben, ist die der sich selbstzerstörenden Aufklärung im Nationalsozialismus. Mit dem letzten in sich geschlossenen Kapitel des Buches, den „Elementen des Antisemitismus“ beenden die Autoren ihren Gang durch den Zivilisationsprozeß vorläufig. Die Argumentation verläuft über das Herauslösen der Menschheit aus Mythos und Magie mittels Aufklärung, die der Tendenz nach in den Mythos zurückschlägt. Erst der völkische und eliminatorische Antisemitismus konkretisiert die Selbszerstörungstendenz der Aufklärung. (mehr…)

Wie das vierte Reich in einem Glückspulli verschwand – Zum Altern antideutscher Kritik

Vortrag und Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“
Donnerstag, 16.12.2010 19:00 AJZ Chemnitz mit Clemens Nachtmann

So ist der Lauf der Dinge: was gestern scheinbar noch Minderheitenfaible war, ist heute schon Mehrheitsprogramm; so kompromisslos „antideutsch“, wie vor 15 Jahren nur ein paar Versprengte sich gebärdeten, führen sich heutzutage deutsche Leitartikler und Feuilletonisten allemal auf und verdolmetschen damit sowohl eine verbreitete Zuschreibung von außen als auch die kurrente Selbsteinschätzung der Deutschen, die sich mehrheitlich längst nicht mehr als bornierte, verkniffene, obrigkeitshörige Spießer, sondern als weltoffene, lockere und zivilcouragierte Bonvivants begreifen. (mehr…)

Veranstaltung Geschlechterverhältnis in der Kritischen Theorie entfällt!

Leider hat der Winter nun ein zweites Mal zugeschlagen und die heutige Veranstaltung mit Micha Böhme muss entfallen. Wir versuchen diese Veranstaltung in nächster Zeit nachzuholen als auch die mit Ernst Lohoff.
Also immer schön den Bildungskollektiv-Blog lesen.

Veranstaltung Rausch ohne Ende: Die Wandelbarkeit der HalluziNation entfällt!

Leider muss der Vortrag „Rausch ohne Ende: Die Wandelbarkeit der HalluziNation“ mit Ernst Lohoff am Mittwoch entfallen. Sie wird bei der nächsten Gelegenheit nachgeholt und auf dem Bildungskollektiv Blog bekannt gegeben.

Männer-WG Grand Hotel Abgrund? Über das Geschlechterverhältnis in der kritischen Theorie

Vortrag und Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“
Dienstag, 07.12.2010 19:00 AJZ Chemnitz mit Micha Böhme

Welche Erkenntnisse klammern bisherige geschlechterkritische Lektüren der Dialektik der Aufklärung aus:
1. weil sie nicht mit Walter Benjamins Begriff der Urgeschichte, der Kontinuität von Herrschaft, arbeiten,
2. das Naturverständnis Horkheimers und Adornos ausblenden, oder
3. das Kapitel “Elemente des Antisemitismus” nicht im Kontext der Argumentation des Buches betrachten?

Die geschichtliche „Konstellation“ (Benjamin) vor deren Hintergrund Horkheimer und Adorno die Dialektik der Aufklärung (DdA) schreiben, ist die der sich selbstzerstörenden Aufklärung im Nationalsozialismus. Mit dem letzten in sich geschlossenen Kapitel des Buches, den „Elementen des Antisemitismus“ beenden die Autoren ihren Gang durch den Zivilisationsprozeß vorläufig. Die Argumentation verläuft über das Herauslösen der Menschheit aus Mythos und Magie mittels Aufklärung, die der Tendenz nach in den Mythos zurückschlägt. Erst der völkische und eliminatorische Antisemitismus konkretisiert die Selbszerstörungstendenz der Aufklärung. (mehr…)

Rausch ohne Ende: Die Wandelbarkeit der HalluziNation

Vortrag und Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“
Mittwoch, 01.12.2010 19:00 AJZ Chemnitz mit Ernst Lohoff

Der Siegeszug der modernen Staatlichkeit ging mit dem Siegeszug einer Wahnvorstellung einher. Die Formierung anonymer Marktgesellschaften fiel mit der Entstehung der “imaginären Gemeinschaft der Nation” (Benedict Anderson) zusammen. Dieses gemeingefährliche Realphantasma erweist sich nicht nur insofern als extrem anpassungsfähig und variantenreich als es sich innerhalb von zwei Jahrhunderten von Europa aus über alle Kontinente verbreiten konnte; in neuen Mutationen gedeiht es auch im globalisierten Kapitalismus prächtig. Nationalökonomie und Nationalstaat mögen obsolet sein, das Konstrukt einer nationalen-kulturellen Identität ist es nicht, hierzulande am allerwenigsten. Die Debatte um Thilo Sarrazins Bestseller “Deutschland schafft sich ab” fügt sich in einen größeren Prozess ein. Angesichts massiver auch für die Mittelschichten bedrohlicher wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verwerfung, bildet sich eine neue Variante “imaginäre Gemeinschaftlichkeit” heraus, die mit dem Liberalismus und der Beschwörung individueller Verantwortung kompatibel ist.

Vortrag jetzt hören!

Der Vortrag „Jeder Mensch ist illegal – Zur Kritik des Menschenrechts“ gehalten am 6. Oktober im AJZ Chemnitz/M54 in der Reihe „Is`schon schlimm…“ kann jetzt bei archive.org nachgehört werden.

Eine Seefahrt. Die ist lustig? – Zur Geschichte des deutschen Antizionismus

Vortrag und Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“
Sonntag, 28.11.2010 19:00 AJZ Chemnitz mit Joachim Bruhn

Irgendwann zwischen der Wannsee-Konferenz und der Gründung Israels verliert der Hass auf die Juden jedwede Geschichte. Danach gab es keine Antisemiten mehr: weil alle es sind. Der Antisemitismus wird zum logischen wie zum historischen Apriori, zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins der Deutschen. Was immer sich seitdem auch ereignet hat – es spiegelt den prinzipiellen Stillstand der Geschichte, den Bann, die Angstlust der erpressten Versöhnung. So findet auch der Hass auf die Juden, egal, ob antisemitisch oder antizionistisch ausgebrüllt, keine neuen Worte mehr, sondern gehorcht einem manischen Wiederholungszwang, dessen Vokabular in den Werken Adolf Hitlers gesammelt vorliegt. Es ist sein »Politisches Testament« vom 29. April 1945, das seitdem abgearbeitet wird, sein letzter Wille, dem »internationalen Judentum und seinen Helfern« den totalen Krieg zu erklären und dafür immer wieder aufs Neue im deutschen Staat die so klassenübergreifende wie die Klassen in sich aufhebende Volksgemeinschaft zu verschweißen, d.h. das Mordkollektiv, das in erlogener präventiver Notwehr dagegen sich erheben solle, dass »die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden«.

1989, als die Wiedervereinigung der Antisemiten (BRD), die genötigt worden waren, mit Israel sich zu arrangieren, mit den Antizionisten (DDR), denen es nur erlaubt war, die Juden in Form der ›Zionisten‹ zu hassen, unvermeidlich wurde, waren alle formellen Bedingungen der deutschen Souveränität wiederhergestellt, die es möglich machen, Hitlers Testament doch noch zu vollstrecken, d.h. die Shoah durch ihre Vollendung, Überbietung und restlose Vollstreckung an Israel ungeschehen zu machen: Der Rechtsnachfolger rüstet sich auf, der Gesellschaftsnachfolger zu sein. Denn erst der Tag, an dem es die Juden, außer in Geschichtsbüchern, niemals gegeben haben wird, wird der Tag der vollendeten »Deutschen Revolution« (Goebbels) gewesen sein. So trifft das paradoxe Resümée jetzt erst zu, das Eric Voegelin 1964 aus dem Verhältnis der Deutschen zu Hitler zog: »Nichts gelernt und nichts vergessen.«

Es ist diese irrsinnig redundante, penetrante Permanenz des Nullpunkts materialistischer Aufklärung, in dem der Wiederholungszwang sich breitmacht.

Angst vor der Sexbomb? Die Geschichte der Männlichkeit im Iran

Vortrag und Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“
Mittwoch, 27.10.2010 19:00 AJZ Chemnitz mit Fathiyeh Naghibzadeh

Für viele Kulturrelativist_innen dürften die Demonstrationen im Iran seit dem Juni 2009 ein ähnlicher Schock gewesen sein wie für die Islamisten im Iran und weltweit. Hatten sie doch seit Jahrzehnten verbreitet, dass Schleier und Scharia eben die Kultur der Iraner_innen seien. Verzweifelt suchen Islamapologet_innen wie Bettina Mathes nach immer neuen “Argumenten für die Burka”. Doch wurden die westlichen Fantasien über den Orient von den Ereignissen im Iran gründlich erschüttert. Viel ist seitdem über die unerträgliche Lage der Frauen im Iran und in der islamischen Welt geschrieben worden. Aber nur wenige Pioniere wie der aus Ägypten stammende Hamed Abdel-Samad beschäftigen sich mit dem Problem der Männlichkeit unter islamischen Verhältnissen. Thema des Abends soll die Geschichte der Männlichkeit im Iran vor und nach der Revolution von 1979 sowie die Frage sein, ob es sich bei der Islamischen Republik tatsächlich um eine Form des “Patriarchats” handelt, wie manche Kritiker_innen des Islamismus behaupten.