Zelos nervt

Felix Bartels liest aus seinem aktuellen Buch »Odysseus wär zu Haus geblieben«

17. März | 19 Uhr | Weltecho

Politische Irrationalität ist, was Felix Bartels in seinem Buch »Odysseus wär zu Haus geblieben« beschäftigt: ihre Wurzeln, ihre allgemeinen wie ihre konkreten Formen. Eines ihrer wesentlichen Kennzeichen ist in der Fixierung auf das Unmittelbare zu finden, im Unwillen und der Unfähigkeit, gesellschaftliche Wirklichkeit im Begriff zu fassen. Wo diffuse Stimmungen an die Stelle vernünftiger Bestimmungen treten, macht sich ein Denken in Vorstellungen breit, die zu abstrakt und gleichfalls zu konkret sind. Zu abstrakt, weil sie daran scheitern, gesellschaftliche Wirklichkeit als spezifische Struktur zu verstehen und vielmehr dazu neigen, sie als Naturverhältnis zu behandeln. Zu konkret, weil aus der übermäßigen Abstraktion der Zwang zur Schuldzuweisung folgt, die den am gesellschaftlichen Verhältnis entstehenden Unmut auf konsensfähige Gruppen konzentriert. Jeder Mensch erlebt gesellschaftliche Wirklichkeit als Ohnmächtiger. Diese Ohnmacht nicht ertragen zu können führt, so nachvollziehbar das Motiv ist, oft zum irrationalen Versuch, sie auszutreiben – ohne an dem, was sie äußerlich hervorruft, überhaupt rütteln zu können. Im Aufschrei gegen den Weltzustand richtet der Empörte sich schließlich ebenso im Gesellschaftlichen ein, wie er dem schlechten Gewissen, das aus dem Einrichten folgt, durch Ersatzhandlungen Abhilfe verschafft. Anstatt die eigene Ohnmacht als Ausgangspunkt wirklichen Begreifens zu nehmen, wird sie in kollektiver Aktion geleugnet.
Im Rahmen der Lesung wird der Autor zuerst eine allgemeine Beschau der Empörungskultur geben, anschließend ein paar prononcierte Überlegungen zu einer Anatomie des Kunden vorstellen und zuletzt einen Vorschlag machen, wie drei Wutbewegungen unserer Gegenwart – Pegida, die Mahnwachen und der Islamismus – in einen Begriff gebracht werden können.

Felix Bartels, geboren 1978 in Berlin, studierte Klassische Philologie und Philosophie. Er ist Herausgeber, Autor, Lektor und Literaturforscher, wobei einer seiner Schwerpunkte in der Erforschung des Werks von Peter Hacks liegt. Sein aktuelles Buch »Odysseus wär zu Haus geblieben. Schutzschrift mit Anhang.« ist im letzten Jahr im Aurora-Verlag (Berlin) erschienen.

Eine Veranstaltung des Student_innenrats der TU Chemnitz in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e. V. und Oscar e. V.


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