Archiv für Juli 2015

Sampling in der Popmusik

„…und dann legst du eine Platte von Billy Cobham auf und ein Freund sagt: Das ist doch Massive Attack!“

Vortrag von Waltraud Blischke
16. Juli | 19 Uhr | Stadtbibliothek Chemnitz – Musikbibliothek

Sampling ist mittlerweile eine Art Breitensport geworden – zumindest für jene Aficionados, die darin weder eine kulturelle Enteignung noch die Remontage ins illusionistische Gestern erkennen.
Das erste Mikrofon kündigt bereits das Prinzip von Speichermedien an: Jeder Klang wird hör- und archivierbar, das Material gewinnt ein Eigenleben. Ästhetische Standards etablieren sich als kulturelle Zuschreibungen, verknüpft mit der Distinktion derselben.
Neben der Hommage am Original, entsteht am Vorabend des Culture Jamming eine neue, destruktive Verspieltheit in der musikalischen Demontage, eine materialistische Konsumkritik als Praxis der erkennbaren Zitate – „A chance to cut is a chance to cure“, wie es der gleichnamige Albumtitel des Musikerduos Matmos propagiert.
Das Mantra des technisch Möglichen kann eine ästhetische Freihandelszone abseits geltender Herrschafts- und Wertesysteme aufbauen, korrumpiert gleichermaßen den Fetisch „Pop“ und seine Hochkulturen des Virtuosen. Dass diese Form kultureller Befreiung aber altern kann, stimmt ebenso. Wenn selbst die Anti-Illusion auf dem Komposthaufen der Musikgeschichte landet, wozu noch Sampling?

Waltraud Blischke, geboren 1967, war nach dem Abitur im Musikalienfachhandel beschäftigt. Während ihres Studiums der Politologie, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität zu Köln begann sie Texte für die Magazine Spex und Stadtrevue zu verfassen. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte und Ästhetik elektronischer Musik, ist Dozentin für Sprechen und Schreiben über Musik an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf und Mitherausgeberin und Autorin der Zeitschrift „testcard. beiträge zur popgeschichte“.