Kunst und Kulturindustrie nach Adorno

Vortrag von Isabell Klasen
20. Juni | 20 Uhr | AJZ Chemnitz

Theodor W. Adornos Begriff der Kulturindustrie zielt auf das ökonomische Prinzip der Identität, das alles Individuelle in Schemata zwingt und das sich auch im Bereich der Kultur zunehmend durchgesetzt hat. Die Kulturindustrie, so Adorno, macht hierdurch nichts als Reklame für die Welt, wie sie ist. Dagegen erheben die autonomen Kunstwerke Einspruch. Aufgrund ihrer Eigengesetzlichkeit sind sie gesellschaftlichen Schemata zunächst entzogen; daher verweisen sie für Adorno auf die Möglichkeit einer Welt jenseits des Identitätsprinzips.
Der Vortrag fragt danach, ob dieser Unterschied zwischen Kunst und Kulturindustrie angesichts der zunehmenden Auflösung von Autonomie in der Gegenwartskunst noch aufrechtzuerhalten ist. Darüber hinaus wird überlegt, ob sich an Begriff und vor allem der Kritik der Kulturindustrie nach Adorno noch festhalten läßt – diese ist zwar heute anerkannt als Paradigma jeglicher Kritik an der ökonomischen Produktion von Kulturwaren, sei jedoch gleichzeitig zu „rekonstruieren“ im Hinblick auf ein mögliches kritisches Potential innerhalb der Kulturindustrie selbst.
Isabelle Klasen lehrt an der Ruhr-Universität Bochum über Kunst und Ästhetik und ist u.a. Herausgeberin und Mitautorin des Buchs „Alles falsch. Auf verlorenem Posten gegen die Kulturindustrie“.

Unterstützt wird die Veranstaltung durch den Stura der TU Chemnitz und die Rosa Luxemburg Stiftung.