Archiv für November 2014

Die Revolte im Spektakel

Punx not dead – er riecht nur wie abgehangener Situationismus
Vortrag und Diskussion mit Negator
Samstag 8.11. | 19:00 | AJZ Chemnitz

Der zentrale Angriff auf das Realitätsprinzip durch den Punk, die Selbstzerstörung als adäquater Ausdruck der zu erleidenden Zerstörungen, durch die herrschende Produktionsweise im gesellschaftlichen Alltagsleben wie die der natürlichen Lebensgrundlagen, war mehr Spiegelung als Antwort. Die Grundbedingung für jene eher ästhetisch sich artikulierende Revolte waren im London der 1970er Jahre leicht zu squattender Wohnraum, so wie es im Paris der 1950er für die Lettristen die einst geltende Mietpreisbindung gewesen war. Den von letzteren kursierenden Fotos entnahm ein gewisser M. McLaren Anregungen für einen neuen sehr flüchtigen Modestil der Negation. Punk als vermeintlich letzter Ausdruck nihilistischer Subversion in der Krise des Nachkriegsbooms in Europa konnte nichts als verbrannte Erde hinterlassen wollen – ein nicht lebbares Leben in nicht mehr revolutionären Zeiten, deren ehemalige Protagonisten der desillusionierten, nachrückenden proletarisierten Jugend als Protagonisten und Verwalter des modernisierten Kapitalismus, mithin als Feinde gegenübertraten. Wer diesen ersten Anlauf überlebte, musste gestehen, dass es so weitergeht (Hegel) und dass dies die Katastrophe ist (Benjamin). Es folgte die Politisierung, es folgte Hardcore hin zur lebensreformerischen Sektenbewegung. Es folgte ebenso eine Erweiterung der stilistischen Mittel im Postpunk wie der Punk’s not dead-Trotz oder der Business Punk. Und es gibt jenen pop-historischen Link auf den „Situationismus“, der der ganzen Sache bei jedem erneuten Aufguss immer wieder die gefährlich-subversiven Duftnote verleihen musste. Never mind the Situs – Here’s the Aufhebung!

Negator ist Teil des Autorenkollektivs Biene Baumeister Zwi Negator, dessen Bücher über „Situationistische Revolutionstheorie“ im Schmetterling Verlag erschienen sind.
Die Organisation der Veranstaltung wird durch den Stura der TU Chemnitz und die Rosa Luxemburg Stiftung unterstützt.