VA-Reihe „Die Banalität des Rassismus“

Auf folgende Reihe weisen wir gern hin:

Die Banalität des Rassismus – Veranstaltungsreihe 02.10. – 17.11.2014

In einer Gesellschaft in der über den alltäglichen Rassismus geschwiegen und eine „Willkommenskultur“ postuliert wird, treten die tatsächlichen Verhältnisse in den Hintergrund. Die Reihe möchte einen Beitrag zur Diskussion um Flucht, Migration und Einwanderungsgesellschaft leisten.
Eine Kooperation zwischen der Juniorprofessur Interkulturelle Pädagogik der TU Chemnitz, Netzwerk Flucht und Migration, Hašek e.V. und der Volkshochschule. Gefördert durch den Lokalen Aktionsplan der Stadt Chemnitz.


Zwischen „Kampf um die besten Köpfe“ und neuer Willkommenskultur?
Vortrag und Diskussion mit Dr. Kien Nghi Ha
Dienstag, 07.10.14, 19:00 Uhr, Volkshochschule im TIETZ, Veranstaltungssaal

Die Integrations- und Migrationspolitik ist von historischen Machtverhältnissen und rassifizierten Hierarchien durchzogen. Sowohl die politische Programmatik als auch die aktuelle Rechtslage enthalten Elemente, die gesellschaftliche Normalität und diskriminierende Normvorstellungen auf der Basis einer imaginierten weißen deutschen Leitkultur herstellen und sich selektierend und hierarchisierend auswirken. Dabei werden rassistische Annahmen und Dualismen reproduziert, die die eurozentrierte Machtstellung von Deutschsein und Weißsein verstärken, während Migrant_innen of Color marginalisiert werden.
Dr. Kien Nghi Ha, promovierter Kultur- und Politikwissenschaftler, ist Publizist, Kurator und Vorstandsmitglied von korientation. Sein Buch „Unrein und vermischt“ (transcript 2010) wurde mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2011 ausgezeichnet.

Rechtsextreme Einstellung in Deutschland 2014
Vortrag und Diskussion mit Johannes Kiess
Dienstag, 21.10.14, 19:00, Volkshochschule im TIETZ, Veranstaltungssaal

Seit 2002 führt die Universität Leipzig die „Mitte“-Studien durch. Mit diesen Studien steht eine in ihrer Art einmalige Langzeitdokumentation zur politischen Einstellung in Deutschland zur Verfügung, die insbesondere die antidemokratische, rechtsextreme Einstellung im Zeitverlauf abbildet.
In der „Mitte-Studie“ wurde in allen Bevölkerungsgruppen eine rechtsextreme Einstellung nachgewiesen. Wie schon in den vorangegangenen Erhebungen ist die Ausländerfeindlichkeit die Dimension, die auf die größte Zustimmung trifft: Im Jahr 2014 geben sich 20 Prozent der Deutschen als ausländerfeindlich zu erkennen. Asylsuchende, Muslime sowie Sinti und Roma erfahren eine weit höhere Stigmatisierung. Die Abwertung von Asylbewerbern ist mit 84,7 Prozent der Befragten in den neuen und 73,5 Prozent der Befragten in den alten Bundesländern sehr groß.
Johannes Kiess, M.A. ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Soziologie an der Universität Siegen und Mitverfasser der Studie.
Eine Veranstaltung der Volkshochschule Chemnitz.

Europa erfindet die Zigeuner – Eine Geschichte von Faszination und Verachtung
Vortrag und Diskussion mit Pof. Dr. Klaus-Michael Bogdal
Dienstag, 28.10.14, 19:00 Uhr, Volkshochschule im TIETZ, Veranstaltungssaal

Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von Asozialen … Dies sind nur einige der Zuschreibungen, mit denen die Romvölker Europas in den letzten 600 Jahren ausgegrenzt wurden. Wie es möglich wurde, dass jahrhundertealter Hass in einem Spannungsverhältnis von Faszination und Verachtung sich bis heute halten konnte, zeigt Klaus-Michael Bogdal in seinem Vortrag auf. Ohne einen schützenden Ort sind sie seit ihrer Einwanderung nach Europa vor 600 Jahren ständigen Verfolgungen und Ausgrenzungen ausgesetzt: in den Imaginationen der Kunst und in der politischen Realität.
Klaus-Michael Bogdal, ist Professor für Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld. Sein Buch „Europa erfindet die Zigeuner“ wurde 2013 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet.
Eine Kooperation zwischen der Friedrich-Ebert-Stiftung, dem DGB Südwestsachsen und der Volkshochschule Chemnitz.

Postliberaler Rassismus
Veranstaltung und Diskussion mit Dr. Vassilis S. Tsianos
Dienstag, 04.11.14, 19:00 Uhr, Volkshochschule im TIETZ, Veranstaltungssaal

Postliberale rassistische Strategien unterscheiden sich von denen des traditionellen Rassismus, der sich auf solche naturalisierenden Kategorien wie den biologistischen „Rassebegriff“ berief und über die offene und strukturelle Gewalt der Trennung und der Ausgrenzung operierte. Die Rassismen der Gegenwart wechseln dagegen auf eine spezifische Weise zwischen biologistischen und kulturalistischen Markierungen von Überlegenheit und Minderwertigkeit. Diese Praxen lassen sich nicht nur über „Wir und die Anderen“ und Prozesse der Ausgrenzung bestimmen, sondern primär über neuartige Prozesse einer Einbeziehung bestimmter Menschen anhand von Kategorien wie z.B. Nützlichkeit bzw. einer Ausgrenzung weiter zum Beispiel prekarisierter Gruppen, d.h. über Politiken einer jederzeit aberkennbaren Staatsbürgerschaft postnationaler Subjekte.
Dr. Vassilis S. Tsianos, Universität Hamburg Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe Kanak Attak und war Gründungsmitglied des Netzwerkes Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung.

Lampedusa und die Rebellion der Flüchtlinge
Vortrag und Diskussion mit Helmut Dietrich
Dienstag, 11.11.14, 19:00 Uhr, Volkshochschule im TIETZ, Veranstaltungssaal

Die Meldungen über Flüchtlingsproteste in Deutschland, Europa und auch südlich des Mittelmeers reißen seit über einem Jahr nicht mehr ab. Nicosia, Tel Aviv, Melilla, Calais, Amsterdam, Wien, Berlin, Hannover. Überall sind es die gleichen Forderungen, mit existenzieller Entschiedenheit vorgetragen: Würde, Abschaffung der Lager, der Arbeitsverbote und Durchsetzung gleicher sozialer und politischer Rechte, die die einheimischen BürgerInnen haben. Hunger- und sogar Durststreiks gibt es. Hinzu kommen landesweite Aufstände in Abschiebegefängnissen in Italien, Ungarn, Bulgarien und anderswo. Diese kollektiven Aktionen der Flüchtlinge sind nicht in Parteien und Organisationen verankert, sondern in einer informellen, widerständigen Mobilität.
Helmut Dietrich, Frankfurt am Main, Mitbegründer der Forschungsgesellschaft Flucht und Migration.

Die Entwicklung rassistischer Hegemonien – Der Fall Mügeln
Vortrag und Diskussion mit Dr. Britta Schellenberg
Montag, 17.11.14, 19:00 Uhr, VHS im TIETZ, Veranstaltungssaal

Der „Fall Mügeln“ hat im Sommer 2007 internationales Aufsehen erregt: Ein rassistischer Mob soll nach einem Stadtfest im sächsischen Mügeln in der Nacht des 17. auf den 18. August eine Gruppe Mitfeiernder, die er als „fremd“ definiert hatte, über den Marktplatz gehetzt haben. Eine als Fluchtort genutzte Pizzeria wurde gestürmt. Nur das Eingreifen der Polizei konnte offenbar Lynchjustiz verhindern. Wie wurde die Gewalttat geahndet, wie verhielten sich Politiker und Polizei? Die Politikwissenschaftlerin Britta Schellenberg legt nun eine vielschichtige Analyse zu den Ereignissen vor. Sie handelt von institutionellem Rassismus, der Schwäche und Schwächung demokratischer Kultur und der Durchsetzung rassistischer und demokratiefeindlicher Zustände in einem lokalen Raum.
Dr. Britta Schellenberg ist Senior Researcher am Centrum für angewandte Politikforschung (C A P) der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen und war Sachverständige im NSU-Untersuchungsaus-schuss des Deutschen Bundestages.
Eine Kooperation zwischen Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und der Volkshochschule Chemnitz.

Daima – Images of Women of Colour in Germany
Ausstellung 02. – 28. 10.14

Arthur e.V. (Hohe Straße 33)

Die afrodeutsche Fotografin Nzitu Mawakha porträtierte zwölf Schwarze Frauen, die in Deutschland leben und arbeiten und/oder Deutsche sind. Die Frauen erzählen von Alltagsrassismus, Sexismus und Widerstand, von Familie, Community und Schönheit. Das Besondere: Nicht die Frauen erklären sich – sondern sie sind diejenigen, die die Betrachtenden befragen und den Blick zurückwerfen.
Veranstalter: Arthur e.V.
Ausstellungseröffnung 02.10.2014, 20 Uhr
Öfnungszeiten: Mo-Fr 9- 15 Uhr und Di-Do ab 18 Uhr, Fr ab 20 Uhr
Eintritt frei.

Ausstellung Asylum
Ausstellungszeitraum: 20.10. -14. 11.2014

Volkshochschule im TIETZ, Lounge im Erdgeschoss

Die Ausstellung Asylum der AG In- und Ausländer e.V. stellt exemplarisch und in Ausschnitten den Weg vieler Asylsuchender in Europa dar. Welche Ursachen gibt es für die Flucht aus den Herkunftsländern? Warum dürfen Flüchtlinge ihr Fluchtziel in Europa nicht selbst wählen? Wie läuft ein Asylverfahren ab? Mit welchen Schwierigkeiten muss ein Asylbewerber kämpfen? Für Schulklassen und interessierte Gruppen können entgeltfreie Workshops zum Thema gebucht werden.
In Kooperation mit der Volkshochschule Chemnitz.
Ausstellungseröffnung Montag, 20.10.14, 18:00 Uhr
Eintritt frei

Workshop: Daima – Ein Austausch über die Ausstellung und Rassismus in Deutschland
Mittwoch, 29.10.2014, 18:00 – 21:00 Uhr, Arthur e.V.

Die Mutter, Autorin und Aktivistin Sharon Otoo gibt ihre Antwort auf Fragen, die du schon immer mal stellen wolltest. Es handelt sich dabei um ein Angebot: mit ihr in den Austausch über Schwarz- und Weißsein, Privilegien, Vorurteile, Macht und Rassismus zu kommen. Sie wird erklären, wie diese Themen unser alle Leben beeinflussen. Um Voranmeldung wird gebeten: 0371 / 302538.
Eine Kooperations von Arthur e.V. und „Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen“.
kostenfrei

Workshop: „Weibergeschwätz, Negerkuss oder Fidschimarkt – offenkundige Beispiele für diskriminierende Sprache
Mit Katharina Oguntoye, Historikerin und Rassismusforscherin
Donnerstag, 6.11.2014, 10-16 Uhr, Frauenzentrum Lila Villa

Es herrschen viele Unsicherheiten mit Begriffen, die häufig „nicht so gemeint“ sind, aber verletzen. Dieser Workshop spürt alltägliche diskriminierende Sprache auf, sensibilisiert für einen bewussten Umgang mit Sprache und hilft, Unsicherheiten abzubauen.
Anmeldung erforderlich! 3,00 Euro, Frauenzentrum Lila Villa, Kaßbergstraße 22, 09112 Chemnitz, Telefon: 0371 302678