Vortrag: Magyarische Mobilisierung – Autoritäre und völkische Krisenbewältigung in Ungarn

Dienstag 28. Januar, 18:30 im AJZ/M54
Vortrag und Diskussion mit Stefan Grigat

Der „Ungarische Bürgerbund“ Fidesz, die Schwesterpartei der deutschen Unionsparteien, betreibt mit seiner Zwei-Drittel-Mehrheit in einem atemberaubenden Tempo eine autoritäre und auf völkische Mythen rekurrierende Umgestaltung der ungarischen Gesellschaft. Sie agiert im scheinbar vorauseilenden Gehorsam gegenüber der offen antisemitischen und rassistischen Jobbik, in Wirklichkeit aber im gar nicht sonderlich heimlichen Einverständnis mit dieser. Mittlerweile liegt die in der Tradition der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler stehende Jobbik in Umfragen zwischen 20 und 30 Prozent der Wählerstimmen. Der Vortrag will zentrale Entwicklungen in der ungarischen Gesellschaft skizzieren, einen Blick auf die Bündnispartner der ungarischen Rechtsparteien werfen und der Frage nachgehen, wie die europäischen Reaktionen auf die Entwicklungen in Ungarn einzuschätzen sind.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Uni Wien, Herausgeber von „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert“ und Mitherausgeber von „Iran im Weltsystem. Bündnisses des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung“. Ein ausführlicher Beitrag von ihm zum Thema ist im Heft 2 der Zeitschrift „sans phrase“ erschienen.

Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V.


1 Antwort auf “Vortrag: Magyarische Mobilisierung – Autoritäre und völkische Krisenbewältigung in Ungarn”


  1. 1 Carl G. Bronetto 18. Januar 2014 um 16:28 Uhr

    Ich wüsste nicht, worin die „Verleumdung“ der Jobbik als einer Partei, die in der Tradition nationalsozialistischen Gedankenguts steht, besteht. Sie erinnern sich als Fan dieser Partei sicherlich gern noch an die Äußerungen der von der Jobbik gestützten EU-Angeordneten und gleichfalls Jobbik-Spitzenkandidatin zu Europawahl 2009, Krisztina Morvai. Da hieß es in einer Rede 2008, sie empfehle „den »liberal-bolschewistischen Zionisten« […], sich schon einmal zu überlegen, »wohin sie fliehen und wo sie sich verstecken«.“ (Jungle World, 26.3.2009 [http://jungle-world.com/artikel/2009/13/33589.html]) Und als Morvai 2009 dann ausgerechnet von dem sich selbst als „a proud Hungarian Jew“ bezeichnenden Gábor Barát dafür kritisiert wurde, dass sie Hass schürt und Barát außerdem meinte, sie solle dafür aus der Politik ausgeschlossen werden, gab es kein Halten der ehrwürdigen, in Menschenrechtsangelegenheiten so engagierten, lupenreinen Antisemitin mehr: „I would be greatly pleased if those who call themselves proud Hungarian Jews played in their leisure with their tiny circumcised dicks, instead of besmirching me. Your kind of people are used to seeing all of our kind of people stand to attention and adjust to you every time you fart. Would you kindly acknowledge this is now OVER. We have raised our head up high and we shall no longer tolerate your kind of terror. We shall take back our country.“ (Morvai zit. n. Politics.hu, 5.6.2009 [http://www.politics.hu/20090605/outrage-over-obscene-antisemitic-internet-post-by-morvai/]) Da es nun zu diesem Zeitpunkt nicht so war und auch heute nicht so ist, dass Ungarn unter einem jüdischen Terrorregime zu leiden hätte, kann man hier nur von formvollendetem antisemitischem Wahn sprechen, meinen sie nicht auch?

    Man müsste sich auch einmal fragen, was eine Partei, die einen paramilitärischen Arm von Anti-Roma-Prüglern unterhält, der 2010 bereits einmal verboten wurde und die im Frühjahr 2012 einen Gesetzesentwurf ins ungarische Parlament brachte, in dem mehrjährige Gefängnisstrafen für homosexuelle Handlungen gefordert wurden und schon das Händchenhalten gleichgeschlechtlicher Menschen unter Geldstrafe gestellt werden sollte, denn sein soll. Eine engagierte „Bürgerrechtsbewegung“?

    Im Übrigen ist schon die Art des obigen Kommentars an Ekelhaftigkeit kaum zu überbieten. Zum einen kommt gleich in der ersten Zeile die Wahnvorstellung zum Ausdruck, der Grigat, dieser Judenfreund, betreibe eben auch diesen Blog oder lese ihn zumindest, habe also – wie die Juden – überall seine Finger im Spiel. Außerdem sind die restlichen Zeilen eben nichts als das übliche Gequatsche, das man vom kleinbürgerlich-faschistoiden, pseudointellektuellen Mob immer zu hören bekommt. Man werde verleumdet – ist Opfer –, aber man lädt natürlich zur Diskussion, damit man auch mal eine Gegenmeinung vertreten könne. Und die Berichterstattung ist natürlich einseitig.

    Ja, worin besteht denn die Verleumdung? Und: Wer über die Jobbik nicht einseitig berichtet, mit dem Ziel, diesen faschistischen Müll bei jeder Gelegenheit zu denunzieren – und dafür bedarf es keiner Lüge –, begeht eine unverzeihliche Schandtat.

    Ich möchte die Blogmoderation noch bitten, den dummdreisten Gebrauch dieses ohnehin hässlichen und dem Gegenstand nun völlig unangemessen Emoticons im obigen Kommentar zu moderieren, d. h.: diese fröhlich grinsende Faschistenfresse einfach mal wegzumachen.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.