„Weder links noch rechts?“ – Zeev Sternhells Analyse der faschistischen Ideologie

Mittwoch 5.12.2012 19 Uhr TU Chemnitz Reichenhainer Strasse 90 Hörsaal N 101
„Weder links noch rechts?“ – Zeev Sternhells Analyse der faschistischen Ideologie
Vortrag und Diskussion mit dem Verleger Jörg Sundermeier (Verbrecherverlag Berlin)

„Es gibt in unserem politischen Vokabular nur wenige Begriffe, die sich einer solch umfassenden Beliebtheit wie das Wort Faschismus erfreuen, ebenso aber gibt es nicht viele Konzepte im politischen Vokabular der Gegenwart, die gleichzeitig derart verschwommen und unpräzise umrissen sind.“ Mit diesem Satz leitete der bedeutende israelische Historiker Zeev Sternhell 1976 seinen Aufsatz „Faschistische Ideologie“ ein. Dieser Satz gilt bis heute – insbesondere für Deutschland. Daher nimmt Sternhell in dieser Einführung, die der kleine Berliner Verbrecherverlag 2002 erstmals als Übersetzung vorlegte, eine genaue Bestimmung des Begriffes Faschismus aus seiner historischen und ideologischen Entwicklung heraus vor. Sternheils Untersuchung sieht die Ideologie des Faschismus als eine Synthese dreier Hauptelemente. antidemokratischer und oft biologisch-deterministischer Nationalismus, die kulturelle Avantgardebewegung des Futurismus und eine revolutionäre Attitüde, die jedoch nicht mehr die Arbeiterklasse sondern die Nation als revolutionäres Subjekt ansah, flössen zu dieser Ideologie zusammen. Zeitgenössischen Betrachtern erschien der Faschismus deshalb auch als dritter Weg, als „ni droite ni gauche“ – als „weder links noch rechts“ – da die faschistische Bewegung scheinbar sowohl mit der alten besitzbürgerlichen und konservativen Rechten als auch mit der alten sozialdemokratischen und marxistischen Linken gebrochen hatte.
„Wie kurz der Weg von der radikalen Linken zum Faschismus war, ist erschreckend, hat aber leider nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Gerade für aktuelle Diskussionen über den Antisemitismus in der Linken, den Antiimperialismus oder die verkürzte Kapitalismuskritik der Antiglobalisierungsbewegung ist die Debatte um den linken Anteil an der Entstehung des historischen Faschismus unumgänglich“, so die Wiener Zeitschrift Ökoli zu Sternhells Buch. Es sei „für all jene Pflichtlektüre, die seiner Analyse nicht in jedem Detail zustimmen, aber in eine Diskussion über die Ideologie des Faschismus einsteigen wollen und sich nicht mit einer Dimitroffschen Le(h)rformel begnügen.“
Eine Veranstaltung in der Reihe „Engagement gegen Apathie? Zynismus gegen Raserei? Zur Kritik des Postnazismus und (Neo-)Faschismus“ zusammen mit dem StuRa der TU Chemnitz und dem Rosa Luxemburg Club. Für 2013 plant der Verbrecherverlag eine Neuausgabe des vergriffenen Buches. Der Verleger Jörg Sundermeier wird bei unserer Veranstaltung zu dem Text und seine Editionsgeschichte referieren.