Archiv für Oktober 2012

VA-Hinweis: Kapitalismus als Spektakel

Auf folgende Veranstaltung der VHS Chemnitz und der Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen möchten wir hinweisen:

Kapitalismus als Spektakel
Multimediavortrag von Markus Metz und Georg Seeßlen
Dienstag, 13. November 2012, 19.00 Uhr, VHS im TIETZ, Veranstaltungssaal

Vor nicht allzu langer Zeit wäre wohl kaum jemand auf die Idee gekommen, den Börsenteil der Zeitung zu lesen. Heute wird plötzlich mehr und emotionaler über Wirtschaft geredet als jemals zuvor. Wir erleben – so Markus Metz und Georg Seeßlen – den Anbruch einer neuen Phase des Kapitalismus, in der er sich endgültig in ein gigantisches Spektakel verwandelt. Die Botschaft, die über alle Blödmaschinen verbreitet wird, lautet: Ökonomie ist auch nur ein Reality-Format. Die Autoren illustrieren ihre These an zwei aktuellen Beispielen: der »Redbullisierung« von Sport und Freizeit sowie der posthumen Verherrlichung von »Saint Steve« Jobs. (mehr…)

VA-Reihe: Engagement gegen Apathie? Zynismus gegen Raserei? Zur Kritik des Postnazismus und (Neo-)Faschismus

Knapp ein Jahr nachdem Auffliegen der Naziterrorgruppe NSU verlieren auch aufmerksame Beobachter der Affäre langsam den Überblick über all die Geschichten um Geheimdienstkontakte, geschredderte Akten und über all die Hinweise zu den Verbindungen der Mörderclique. Es herrschen Verblüffung, Empörung und Ohnmacht. Vor allem aber stellt sich die Affäre um die NSU als ein Geflecht dar, dass nur noch Experten durchschauen können.
Die blasse Hoffnung mancher, die mediale Öffentlichkeit, die das Naziproblem angesichts der Mordserie erhält, für die eigene antifaschistische Politik zu nutzen, trügt, das zeigt Chemnitz. Bei der breiten Mehrheit der Bevölkerung der Stadt, in der die Nazis jahrelang untertauchen konnten, herrschen Ignoranz, Verdrängung und offensichtliches Desinteresse. Es gibt zahlreiche Hinweise zu Verbindungen regionaler Nazivertriebsstrukturen zum NSU – das Chemnitzer Nazilabel PC-Records veröffentlichte beispielsweise 2010 einen Song der Band „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ in denen die Mordserie der NSU gefeiert wird – doch regt sich immer noch, wie schon seit Jahren, kein nennenswerter gesellschaftlicher Protest. Die Wahrheit ist: Die demokratisch orientierte Zivilgesellschaft hat abseits von Großevents, die das Image des „weltoffenen Wirtschaftsstandorts Deutschland“ wahren sollen längst ihren Frieden mit der Naziszene und ihrer eigenen Unfähigkeit ihr entgegenzutreten gemacht. Manche sind noch engagiert, durchwandern aufopferungsvoll die prekären Tiefebenen kultureller und politischer Bildungsarbeit, ziehen durch Schulen und versuchen gegen Rassismus, Antisemitismus und über demokratische Chancen aufzuklären. Um das Naziproblem sollen sich mal wieder die „Zuständigen“ kümmern und man will auch ein bisschen Teil davon sein.
Die rassistischen Morde der NSU werden primär nur noch als Problem der Strafverfolgungsbehörden und als Problem des Versagens der Geheimdienste in der Bundesrepublik wahrgenommen, das nun endlich durch bessere Vernetzung der Kommunikation der Zuständigen gelöst wird. Das Aufblühen der Naziszene in Sachsen und Thüringen in den 90er Jahren wird als Resultat der Wirren der Wende verbucht, als insgesamt bedauerlicher aber vielleicht auch notwendiger Betriebsunfall. (mehr…)

VA-Hinweis: Die Euro-Krise am Beispiel Griechenlands

Auf folgende Veranstaltung der VHS Chemnitz wollen wir hinweisen:

Die Euro-Krise am Beispiel Griechenlands
Vortrag und Diskussion mit Dr. Karl Heinz Roth
Mittwoch, 10.10.2012, 19:00 Uhr, VHS im TIETZ, Veranstaltungssaal

Dr. Karl Heinz Roth spannt den Analysebogen vom Eintritt Griechenlands in die Europäische Gemeinschaft 1981 über die Folgen des Infrastrukturbooms durch die Olympiade 2004, den Einbrüchen bei der maritimen Logistik bis zur Durchleuchtung der De-facto-Zwangsverwaltung Griechenlands. In Roths Analyse der Austeritätsprogramme bekommt eine „Gesellschaft am Abgrund“ ein konkretes Gesicht: Medikamentenmangel beeinträchtigt die Gesundheits- versorgung, Kinder verfallen in Melancholie, Mentalitäten sozialer Depression und Emigrationswellen breiten sich aus. Karl Heinz Roth diskutiert aber auch systemimmanente Alternativen, umreißt eine „Gegenperspektive von unten“ und fokussiert deren Akteure.

Dr. Karl Heinz Roth ist Historiker, Mediziner und Vorstandsmitglied der Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Eine VA der VHS Chemnitz in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Chemnitz.