Archiv für Juli 2011

VA-Hinweis: „Wer liegt im Staub und träumt da vor sich hin?“ (Freiberg)

Ausstellung und Veranstaltungsreihe zur Kritik des Antiziganismus des Roten Weg e.V in Freiberg. Weitere Informationen gibt es unter www.roter-weg.de.

Der Begriff des Antiziganismus ist innerhalb der deutschen Gesellschaft nach wie vor wenig bekannt und ist somit kaum Bestandteil einer öffentlichen Diskussion, die die Kritik von vielschichtigen Diskriminierungen von Menschen zum Ziel hat. Jedoch ist die Feindschaft gegen Roma und Sinti ein aktuelles und akutes europäisches Problem und keineswegs nur Bestandteil der nationalsozialistischen Rassenideologie gewesen, welcher allein in Auschwitz-Birkenau über 15000 Menschen, die man als „Zigeuner“ stigmatisierte, zum Opfer fielen.
Immer wieder kommt es in verschiedenen europäischen Ländern zu Einschüchterungen, Übergriffen oder pogromartigen Zuständen gegenüber Roma und Sinti.
Im tschechischen Litvinov, welches circa 50 km von Freiberg entfernt liegt, versuchten im November 2008 über 600 Nazis aus der gesamten Tschechischen Republik gewaltsam in das von Roma bewohnte Stadtviertel Janov einzudringen. Eine große Anzahl von Anwohnern unterstützte sie dabei, indem sie die Polizeiarbeit behinderten und den zugereisten Nazis unter anderem mit Verpflegung halfen. Seitdem kommt es gehäuft zu Übergriffen und Kundgebungen von rechtsradikalen Gruppen. Ein anderes aktuelles Beispiel manifestierte sich in Ungarn, wo seit März diesen Jahres rechte Bürgerwehren – unterstützt durch die drittstärkste ungarische Partei Jobbik – das Dorf Gyöngyöspata belagern, um die dort 100 lebenden Romas einzuschüchtern und zu vertreiben. Ähnliche Meldungen hört man regelmäßig aus Italien und der Slowakei.
Aber auch in Deutschland sind gegenwärtig viele Menschen vom Antiziganismus betroffen, auch wenn er sich hierzulande meist subtiler zeigt, was jedoch nicht bedeutet, dass die Folgen für die Betroffenen weniger schwer wären.

Mit der Veranstaltungsreihe möchten wir Menschen in Freiberg für die Thematik sensibilisieren und sowohl über historische wie auch aktuelle Formen des Antiziganismus aufklären. Der Blick soll dabei auf die Betroffenen und ihre vielfältigen Probleme, aber auch auf die gesellschaftlichen Ursprünge und die Genese der antiziganistischen Ideologie gerichtet werden. (mehr…)