Männer-WG Grand Hotel Abgrund? Über das Geschlechterverhältnis in der kritischen Theorie

Der entfallene Vortrag vom Dezember 2010 mit Micha Böhme im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“ wird am Mittwoch, den 16.02.2011 um 19:00 im AJZ Chemnitz nachgeholt.

Welche Erkenntnisse klammern bisherige geschlechterkritische Lektüren der Dialektik der Aufklärung aus:
1. weil sie nicht mit Walter Benjamins Begriff der Urgeschichte, der Kontinuität von Herrschaft, arbeiten,
2. das Naturverständnis Horkheimers und Adornos ausblenden, oder
3. das Kapitel “Elemente des Antisemitismus” nicht im Kontext der Argumentation des Buches betrachten?

Die geschichtliche „Konstellation“ (Benjamin) vor deren Hintergrund Horkheimer und Adorno die Dialektik der Aufklärung (DdA) schreiben, ist die der sich selbstzerstörenden Aufklärung im Nationalsozialismus. Mit dem letzten in sich geschlossenen Kapitel des Buches, den „Elementen des Antisemitismus“ beenden die Autoren ihren Gang durch den Zivilisationsprozeß vorläufig. Die Argumentation verläuft über das Herauslösen der Menschheit aus Mythos und Magie mittels Aufklärung, die der Tendenz nach in den Mythos zurückschlägt. Erst der völkische und eliminatorische Antisemitismus konkretisiert die Selbszerstörungstendenz der Aufklärung.

Die Autoren greifen das Benjaminsche Geschichtsverständnis auf und setzten es um. Sie synchronisieren das Gewesene (den Epos der Odyssee sowie den Geschöpfen des Marquis de Sade) mit ihrem “Jetzt der Erkennbarkeit” (Benjamin), mit dem Nationalsozialismus und finden in diesen verschiedenen historischen Konstellationen ein urgeschichtlich Gleiches: Naturbeherrschung am Menschen und durch Menschen, die in Naturverfallenheit umschlägt. Der Prozess der Herauslösung des Menschen aus der Natur fand als Gewaltverhältnis statt und impliziert darum eine fortdauernde Verfallenheit an die Natur.

Das Geschlechterverhältnis ist nicht das eigentliche Thema der DdA aber es ist ein entscheidender Faktor im Prozess des Umschlagens der Aufklärung in Barberei. Das Naturverhältnis der Menschen spiegelte sich innerhalb der menschlichen Gattung wider, die Frau wurde zum Inbegriff der Natur. An den Frauen wurde die Naturhaftigkeit des Menschen, aller Menschen noch verzerrt sichtbar. Im Bild vom Naturwesen Frau wird das Natursein des Menschen aufgehoben, erinnerbar. Somit ist es der herrschenden Praxis gefährlich, denn nach Horkheimer und Adorno ist der Herrschaft nicht die Natur gefährlich, sondern die Erinnerung an sie. Aber diese Gefährlichkeit ist im Moment, in dem sie sie beschreiben bereits Geschichte. Im Nationalsoziallismus ist die Frau sowenig ein verzerrtes Bild für die Natürlichkeit des Menschen wie der Mann. Vor dem Benjaminschen “Jetzt der Erkennbarkeit” ist dieses Naturwesen der Frau Vergangenheit. Die nazifaschistische Gesellschaft entwarf (vielleicht anknüpfend an Die Neue Frau der Weimarer Republik ?) andere Frauenbilder. Diese historischen Veränderungen, die Horkheimer und Adorno anführen, sind in der feministischen Lektüre der DdA bisher nicht aufgegriffen worden. Somit bietet sich mir die Möglichkeit, den Zusammenhang von Antisemitismus und patriarchalem Geschlechterverhältnis, durch die Betrachtung der “Elemente des Antisemitismus” im Kontext der geschichtsphilosophischen Argumentation der DdA herauszuarbeiten.


4 Antworten auf “Männer-WG Grand Hotel Abgrund? Über das Geschlechterverhältnis in der kritischen Theorie”


  1. 1 Dave 13. Februar 2011 um 22:11 Uhr

    Am Dienstag (15.02.) oder doch am Mittwoch (16.02.)?

  2. 2 Administrator 14. Februar 2011 um 17:31 Uhr

    Die Veranstaltung findet am Mittwoch (16.02) statt.

  3. 3 Ernst 19. Februar 2011 um 13:29 Uhr

    Gibt es eine Aufzeichnung?

  4. 4 svenni 27. Februar 2011 um 23:15 Uhr

    wir kiffen^^

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