Shrinking & Global Cities: Wer will hier das Chemnitz-Mitte-Feeling?

Vortrag und Diskussion
Donnerstag 09. Dezember | Kulturkaufhaus DAStietz, Veranstaltungsaal | 19:30 Uhr

Sind Akteure wie die des Experimentellen Karrees nur Helfershelfer von Stadtverwaltung und Wohnungsunternehmen beim Flicken der Krisenlöcher? Findet man sich schließlich in einer Stadt wieder, die man so doch gar nicht wollte? Oder bietet die aktuelle Wirtschaftsschwäche engagierten Raumpionieren reale, bisher ungeahnte Möglichkeiten bei der Inbesitznahme ehemals un- bzw. fehlgenutzter Räume? Worin liegen emanzipative Formen der Stadtteilarbeit in Shrinking ebenso wie in Global Cities? Um sich bietende Chancen auf Freiräume zu erkennen und zu nutzen, muss man die aktuellen Veränderungen verstehen. Dafür wollen wir an diesem Abend einen Beitrag leisten. Es diskutieren: Andrej Holm (Universität Oldenburg, http://gentrificationblog.wordpress.com), „Wir bleiben alle!“-Aktivist_innen (Berlin) und ehemalige Akteure des „Experimentellen Karrees“ (Reitbahnviertel/Chemnitz).

Eigenartig, diese Gleichzeitigkeiten: Während in den Global Cities Hamburg und Berlin starke soziale Bewegungen um Freiräume und Mietstabilität kämpfen, kommt es im beschaulichen Chemnitz zu einer Hausbesetzung, die zahlreiche Diskussionen zum Komplex Stadt-Stadtentwicklung-Jugend-Freiräume anstößt. Zum Schluss organisiert sogar die Freie Presse im Schauspielhaus eine Gesprächsrunde mit der Oberbürgermeisterin, um vor breitem Publikum die Lage zu klären.
Die Ausgangspunkte könnten nicht unterschiedlicher sein: Ist es in der Metropole Berlin hauptsächlich die Verdrängung von ärmeren und benachteiligten Bevölkerungsschichten aus Stadtteilen wie Friedrichshain/Kreuzberg und — damit verbunden — die drohende Schließung von Wohnprojekten und Stadtteilinitiativen, scheint das beinahe flächendeckende Überangebot an Leerstand in schrumpfenden Städten wie Chemnitz, die Entfaltungsmöglichkeiten für zum Beispiel selbstorganisierte Hausprojekte, nicht-kommerzielle Infoläden oder alternativ-ökologische Wagenplätze erheblich zu steigern. Doch als in den letzten drei Jahren in Chemnitz das Projekt „Reitbahnstraße 84/ Experimentelles Karree“ sein Recht auf Stadt einforderte, sah man, dass sich auch in Shrinking Cities an den gewöhnlichen Standards orientiert wird: Der Investor darf bestimmen, wer weg muss und wer herziehen soll.
Ob Wiederbelebung des Brühls, Archäologiemuseum oder „Stadt der Wissenschaft“: Auf allen Ebenen wird fieberhaft versucht, dem Schicksal, die „älteste Region Europas“ zu werden bzw. zu sein, ein Schnippchen zu schlagen. „Zurück zum Wachstum!“ lautet die Devise, die man — wie nicht zuletzt die 2008 verabschiedete Polizeiverordnung zeigt — auch auf Kosten von sozialen Randgruppen verfolgt. Der angestrebte Übergang zur nicht-mehr-krisengeschüttelten Stadt wird — wie die Bestrebungen zum „Experimentellen Karree“ beispielhaft zeigen — mit Konzepten des „Null-Euro-Urbanismus“, bei dem „Aktivbürger“ ihre Ideen zur Nachnutzung von Brachen und Ruinen auf eigene Kosten einbringen, überbrückt – oder mit Fördergeldern der EU oder des Bundes angeschoben. Für was man sich als Akteur an der Basis dabei instrumentalisieren lässt, ist vielen wahrscheinlich gar nicht genau klar.
Ist man nur Helfershelfer von Stadtverwaltung und Wohnungsunternehmen beim Flicken der Krisenlöcher und findet sich schließlich in einer Stadt wieder, die man so doch gar nicht wollte? Oder bietet die aktuelle Wirtschaftsschwäche engagierten Raumpionieren reale, bisher ungeahnte Möglichkeiten bei der Inbesitznahme ehemals un- bzw. fehlgenutzter Räume? Worin liegen emanzipative Formen der Stadtteilarbeit in Shrinking ebenso wie in Global Cities?

Eine Veranstaltung des AJZ, des Bildungskollektivs und des Exka mit freundlicher Unterstützung der Volkshochschule Chemnitz. Die Veranstaltung wird gefördert durch den Lokalen Aktionsplan für Demokratie und Toleranz der Stadt Chemnitz.


5 Antworten auf “Shrinking & Global Cities: Wer will hier das Chemnitz-Mitte-Feeling?”


  1. 1 svenni 21. Dezember 2010 um 17:38 Uhr

    mal den mitschnitt hochladen. affen!

  2. 2 bk 21. Dezember 2010 um 20:16 Uhr

    kommt! geduld! noch dieses jahr!

  3. 3 svenni 27. Dezember 2010 um 22:26 Uhr

    hab ne ewisch zeit

  1. 1 Shrinking & Global Cities: Wer will hier das Chemnitz-Mitte … Pingback am 30. November 2010 um 2:14 Uhr
  2. 2 Wer will hier das Chemnitz-Mitte-Feeling? Anhören! « BILDUNGSKOLLEKTIV.blogsport.de Pingback am 31. Dezember 2010 um 17:35 Uhr
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