Is‘ schon schlimm. Von guten Menschen und schlechten Zuständen

Zur Notwendigkeit dieser Reihe …
is schon schlimm - Von guten Menschen und schlechten Zuständen
Und wieder ist ein Jahr mit zahlreichen nationalen Integrationssymbolen vorbei: Die schwarz-rot-goldenen Fahnenmeere während der Fußballweltmeisterschaft, bei denen sich eher im WIR geübt wurde, statt eine gemütliche Fußballpartie anzuschauen. Lena M.-L. gewann mit „einer Singstimme, die ihren Erfolg nicht restlos erklärt“ (ZDF Heute)1. Eine Menge Irrationalismen mit schlechter Popmusik, in denen offensichtlich Spaß nur noch im WIR gefunden werden kann und sich das Ich im Auflösungsprozess befindet.

Im Mai machte sich die Free-Gaza-Flotte auf, um das „Ziel der Durchbrechung der Blockade“ (Norman Paech, Ex-MdB Die LINKE)2 zu verwirklichen. In einen umstrittenen Einsatz wurde das Schiff „Mavi Marmara“ gestürmt, mehrere Aktivisten getötet und mehrere Soldaten verletzt.
Es folgte, was folgen musste: Antisemitische Ressentiments wurden am Stück geäußert, Israel wurde als Unrechtsstaat denunziert – welch Ironie, da die Flotte aus dem völkerrechtswidrig besetzten Teil Nordzypern3 aus ablegte. Nur ein weiteres Beispiel, wie der hoch gepriesene Kampf ums Völkerrecht sich als antizionistischer Wahn offenbart. Israel wird als „Jude unter den Staaten“ zur Projektionsfläche für den Hass auf undurchschaute Verhältnisse. Die Prominenz an Bord tat ihr übriges, um vermeintlich sauber zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Der schwedische Krimiautor Hennig Mankell, wies den Vorwurf des Antisemitismus gegen die Hamas weit ab – dies sei nur „der normale Hass auf Besatzer“4. Wenn linke Moralist_innen und Ignorant_innen, Antisemitismusverdränger_innen und (in)direkte Unterstützer_innen der Hamas, die Israel von der Landkarte streichen will, in einem Boot sitzen, ist ihnen die Aufmerksamkeit der deutschen Massenmedien sicher: Paech wurde nach seiner Rückkehr von Fernsehsender zu Fernsehsender gereicht, wie sonst nie ein Vertreter seiner Partei, doch wenn es um die Verbreitung israelfeindlichen Positionen geht, macht es Paech vielen sehr Recht.

Über die Thesen von Thilo Sarrazin wurde sich in der Öffentlichkeit echauffiert, genauer: über die Aussagen gegenüber genetisch bedingter Intelligenz von Muslimen und Juden. Weitreichendere Kritik an den sozialdarwinistischen Äußerungen blieb vereinzelt. Unterstützung bekam Sarrazin unter anderem vom Chemnitzer Entwicklungspsychologen Heiner Rindermann. So bleibt die Wirkung des vermeintlichen gelungenen Tabubruchs durch Sarrazin. Es stellte sich fast so dar, als müssten die, die am lautesten gegen Sarrazin schrien, ihre eigenen rassistischen Einstellungen nach außen abstoßen. In reiner Abwendung gegenüber dem Alltagsrassismus und der Chancengleichheit, die doch nur ein Synonym für das Recht des Stärken ist.

Mit ähnlichen Reaktionen warteten Islamhasser_innen auf. Oft in Abgrenzung des vermeintlich offenen, toleranten Westens im Gegenzug zum patriarchalen, antimodernistischen und homophoben Orient malten sie sich die Eroberung Europas durch die „Türken“, die schon hinter Wien in Kreuzberg stehen, aus. Ein fast heiliger Bund von Rassist_innen und Kulturalist_innen stellte sich wieder dar, um den Preis für die Verteidigung von Vernunft, westlichen Werten und natürlich für die Wahrung Deutschlands einzuheimsen, oft auch nach dem heimlichen Motto „Islamismus gern im Iran, aber doch nicht bei uns im goldenen Westen.“

Im Raum dieser öffentlichen Debatten wollen wir ansetzen, um einen kritischen Standpunkt zu entwickeln und mit verschiedenen Referent_innen zu diskutieren. Besonderer Blick soll auf die Präsenz von menschenverachtenden Ideologien in der heutigen Gesellschaft geworfen werden.
Leben wir nun in schlechten Zuständen und sind gute Menschen? Ist es umgekehrt? Oder stellen sich die benannten Probleme genau eben in diesem Wechselspiel von Individuum und Gesellschaft dar?

  1. Ausspruch von Claus Kleber in ZDF Heute vom 30. Mai 2010 von 22:45 [zurück]
  2. Norman Peach (Die LINKE) im Interview ARD Tagesthemen vom 1. Juni 2010 im Interview ARD Tagesthemen vom 1. Juni 2010 [zurück]
  3. UN-Sicherheitsrat Resolution 541 [zurück]
  4. Henning Mankel zitiert nach “Die Israelis hätten auf die Schiffsschrauben zielen können” 03.06.2010 Spiegel Online [zurück]

AK „Reflektieren gegen Deutschland“


3 Antworten auf “Is‘ schon schlimm. Von guten Menschen und schlechten Zuständen”


  1. 1 ak-74 07. Oktober 2010 um 1:50 Uhr

    keine kritik am text aber mal ne anmerkung wenn mal ein zitat „die deutschen“ (wer soll denn das bitte sein? da gehör ich ja auch dazu..) generell als antisemitisch/-zionistisch bezeichnet wirds gern verwendet siehe flyer zur aktuellen BK veranstaltungsreihe und wo bleibt denn da der aufschrei der antikulturalisten.. entschuldigung bei aller liebe zum spass und zur provokation aber das ist doch bigott und lächerlich

  2. 2 simone greiner petter memm 11. Oktober 2010 um 0:19 Uhr

    was is los?@ak

  3. 3 ak-74 17. Oktober 2010 um 14:48 Uhr

    hallo simone. was soll denn los sein?

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