Archiv für Oktober 2010

Ordnung schafft Extremismus.

Vortrag und Diskussion mit Stefan Kausch am 3. November 2010 an der TU Chemnitz Zimmer N105 um 18:30 im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Roten Hochschulgruppe „Extremismus geht nicht“

Demokratie(theoretische) Perspektiven als Kritik des Extremismus-Modells

Der Begriff Rechtsextremismus taucht immer wieder in der medialen Öffentlichkeit auf. So sprechen neben staatlichen Institutionen wie den Landesämtern für Verfassungsschutz, die Bundesfamilienministerin Schröder und das Bundesinnenministerium, auch Zeitungen, Nachrichtensendungen und wissenschaftliche Publikationen von der Bedrohung einer demokratischen Mitte durch verschiedene Extremismen. Was hat dies mit einem Appell an die Bundeskanzlerin nach einem Machtwort zu tun, wenn die CDU sich zu lange über verschiedene Positionen streitet und welches Demokratiekonzept steckt dahinter?
Braucht staatliche Ordnung etwa die Vorstellung von extremistischen Rändern, um sich selbst in der „demokratischen Mitte“ zu verorten?
Diesen Fragen stellt sich der Politikwissenschaftler Stefan Kausch in einem Referat mit einer anschließenden Diskussion.

Eine Seefahrt. Die ist lustig? – Zur Geschichte des deutschen Antizionismus

Vortrag und Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“
Sonntag, 28.11.2010 19:00 AJZ Chemnitz mit Joachim Bruhn

Irgendwann zwischen der Wannsee-Konferenz und der Gründung Israels verliert der Hass auf die Juden jedwede Geschichte. Danach gab es keine Antisemiten mehr: weil alle es sind. Der Antisemitismus wird zum logischen wie zum historischen Apriori, zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins der Deutschen. Was immer sich seitdem auch ereignet hat – es spiegelt den prinzipiellen Stillstand der Geschichte, den Bann, die Angstlust der erpressten Versöhnung. So findet auch der Hass auf die Juden, egal, ob antisemitisch oder antizionistisch ausgebrüllt, keine neuen Worte mehr, sondern gehorcht einem manischen Wiederholungszwang, dessen Vokabular in den Werken Adolf Hitlers gesammelt vorliegt. Es ist sein »Politisches Testament« vom 29. April 1945, das seitdem abgearbeitet wird, sein letzter Wille, dem »internationalen Judentum und seinen Helfern« den totalen Krieg zu erklären und dafür immer wieder aufs Neue im deutschen Staat die so klassenübergreifende wie die Klassen in sich aufhebende Volksgemeinschaft zu verschweißen, d.h. das Mordkollektiv, das in erlogener präventiver Notwehr dagegen sich erheben solle, dass »die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden«.

1989, als die Wiedervereinigung der Antisemiten (BRD), die genötigt worden waren, mit Israel sich zu arrangieren, mit den Antizionisten (DDR), denen es nur erlaubt war, die Juden in Form der ›Zionisten‹ zu hassen, unvermeidlich wurde, waren alle formellen Bedingungen der deutschen Souveränität wiederhergestellt, die es möglich machen, Hitlers Testament doch noch zu vollstrecken, d.h. die Shoah durch ihre Vollendung, Überbietung und restlose Vollstreckung an Israel ungeschehen zu machen: Der Rechtsnachfolger rüstet sich auf, der Gesellschaftsnachfolger zu sein. Denn erst der Tag, an dem es die Juden, außer in Geschichtsbüchern, niemals gegeben haben wird, wird der Tag der vollendeten »Deutschen Revolution« (Goebbels) gewesen sein. So trifft das paradoxe Resümée jetzt erst zu, das Eric Voegelin 1964 aus dem Verhältnis der Deutschen zu Hitler zog: »Nichts gelernt und nichts vergessen.«

Es ist diese irrsinnig redundante, penetrante Permanenz des Nullpunkts materialistischer Aufklärung, in dem der Wiederholungszwang sich breitmacht.

Man wird ja wohl noch …

Ich habe einen deutschen Pass. Ich halte mir den Scheißdreck, der deutsche Kultur oder Leitkultur heißt, den „Musikantenstadl“, Berufsvertriebene, die Gutten- und Plasbergs, den Broder und den Diekmann, pünktlich zur Gen-Debatte erblondeter Zombies wie „Thea Dorn“ und die bildungsnahen Schichten so weit vom Leib wie möglich. Ich bin weder integrationswillig noch integrationsfähig. Das Deutsch zu lernen, das die Bundeskanzlerin spricht und der Leitartikel schreibt, halte ich für eine dreiste Zumutung. Was also, Sarrazin, machen wir mit mir?

Hermann L. Gremliza liest beim FSK Hamburg die Konkret Oktober Kolumne über den Moslem und den Ruf des Sarrazins (Am Schluß des Mitschnitts noch ein Studiogespräch)

VA-Hinweis: Führt die Extremismus-Orientierung in die Sackgasse?

Auf folgende Veranstaltung der VHS Chemnitz sei hingewiesen, für Amüsement in der Sackgasse ist sicher gesorgt:

Dienstag 02. November | Veranstaltungssaal im DAStietz | 19.00 Uhr

Podiumsdiskussion mit Prof. Benno Hafeneger und Prof. Eckart Jesse

Der Begriff „Extremismus“ wird in den letzten Jahren immer häufiger öffentlich verwendet. Zu trennen ist einerseits die wissenschaftliche Diskussion, in der der Extremismus-Begriff stark umstritten ist und einer Diskussion auf der politischen Ebene, auf der der Begriff häufig als Ersatz für politische Auseinandersetzungen dient. (mehr…)

Angst vor der Sexbomb? Die Geschichte der Männlichkeit im Iran

Vortrag und Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“
Mittwoch, 27.10.2010 19:00 AJZ Chemnitz mit Fathiyeh Naghibzadeh

Für viele Kulturrelativist_innen dürften die Demonstrationen im Iran seit dem Juni 2009 ein ähnlicher Schock gewesen sein wie für die Islamisten im Iran und weltweit. Hatten sie doch seit Jahrzehnten verbreitet, dass Schleier und Scharia eben die Kultur der Iraner_innen seien. Verzweifelt suchen Islamapologet_innen wie Bettina Mathes nach immer neuen “Argumenten für die Burka”. Doch wurden die westlichen Fantasien über den Orient von den Ereignissen im Iran gründlich erschüttert. Viel ist seitdem über die unerträgliche Lage der Frauen im Iran und in der islamischen Welt geschrieben worden. Aber nur wenige Pioniere wie der aus Ägypten stammende Hamed Abdel-Samad beschäftigen sich mit dem Problem der Männlichkeit unter islamischen Verhältnissen. Thema des Abends soll die Geschichte der Männlichkeit im Iran vor und nach der Revolution von 1979 sowie die Frage sein, ob es sich bei der Islamischen Republik tatsächlich um eine Form des “Patriarchats” handelt, wie manche Kritiker_innen des Islamismus behaupten.

Is‘ schon schlimm. Von guten Menschen und schlechten Zuständen

Zur Notwendigkeit dieser Reihe …
is schon schlimm - Von guten Menschen und schlechten Zuständen
Und wieder ist ein Jahr mit zahlreichen nationalen Integrationssymbolen vorbei: Die schwarz-rot-goldenen Fahnenmeere während der Fußballweltmeisterschaft, bei denen sich eher im WIR geübt wurde, statt eine gemütliche Fußballpartie anzuschauen. Lena M.-L. gewann mit „einer Singstimme, die ihren Erfolg nicht restlos erklärt“ (ZDF Heute)1. Eine Menge Irrationalismen mit schlechter Popmusik, in denen offensichtlich Spaß nur noch im WIR gefunden werden kann und sich das Ich im Auflösungsprozess befindet.

Im Mai machte sich die Free-Gaza-Flotte auf, um das „Ziel der Durchbrechung der Blockade“ (Norman Paech, Ex-MdB Die LINKE)2 zu verwirklichen. In einen umstrittenen Einsatz wurde das Schiff „Mavi Marmara“ gestürmt, mehrere Aktivisten getötet und mehrere Soldaten verletzt.
Es folgte, was folgen musste: Antisemitische Ressentiments wurden am Stück geäußert, Israel wurde als Unrechtsstaat denunziert – welch Ironie, da die Flotte aus dem völkerrechtswidrig besetzten Teil Nordzypern3 aus ablegte. Nur ein weiteres Beispiel, wie der hoch gepriesene Kampf ums Völkerrecht sich als antizionistischer Wahn offenbart. Israel wird als „Jude unter den Staaten“ zur Projektionsfläche für den Hass auf undurchschaute Verhältnisse. Die Prominenz an Bord tat ihr übriges, um vermeintlich sauber zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Der schwedische Krimiautor Hennig Mankell, wies den Vorwurf des Antisemitismus gegen die Hamas weit ab – dies sei nur „der normale Hass auf Besatzer“4. Wenn linke Moralist_innen und Ignorant_innen, Antisemitismusverdränger_innen und (in)direkte Unterstützer_innen der Hamas, die Israel von der Landkarte streichen will, in einem Boot sitzen, ist ihnen die Aufmerksamkeit der deutschen Massenmedien sicher: Paech wurde nach seiner Rückkehr von Fernsehsender zu Fernsehsender gereicht, wie sonst nie ein Vertreter seiner Partei, doch wenn es um die Verbreitung israelfeindlichen Positionen geht, macht es Paech vielen sehr Recht. (mehr…)