HalluziNation Deutschland – Beiträge zur Therapie einer Zwangsvorstellung. Teil II

Mit dem Vortrag „Realsozialismus (inter?)national. Zum Umgang mit Nation in der DDR“ am 8. September startet der zweite Teil der Veranstaltungsreihe „HalluziNation Deutschland – Beiträge zur Therapie einer Zwangsvorstellung. Eine Vortragsreihe zur Kritik von Staat und Nation.

Danach gibt es folgende Veranstaltungen:

Reitbahnstraße 84 | Dienstag, 22. September 2009 | 19 Uhr
„Wir sind ein Volk“ – Die Wende und der Aufbruch ins Nationale. Vortrag von Vertretern des Leipziger Bündnisses gegen das deutsche Gedenkjahr 2009 und Mobilisierung zur bundesweiten Demonstration
Im Oktober findet in Leipzig eine Demonstration gegen die etablierten Wende-Feierlichkeiten statt. Wir haben deshalb die Leipziger Initiative gegen jeden Extremismusbegriff eingeladen, um über die Hauptkritikpunkte am ’89-Gedenken zu sprechen. Die Initiative bezieht Position gegen totalitarismustheoretische Geschichtsdarstellungen einerseits und DDR-Verklärungen andererseits. Aber auch eine Kritik am „Sieg des Kapitalismus“ und an der postnazistischen BRD in den 1990er Jahren soll nicht zu kurz kommen.

Reitbahnstraße 84 | Dienstag, 6. Oktober 2009 | 19 Uhr
Aktivbürger, Zivildienstleistende und stille Gesellschafter. Facetten „der“ Zivilgesellschaft in Deutschland
Der Begriff „Zivilgesellschaft“ ist so schillernd wie umstritten. Als eine Erklärung für den hegemonialen Erfolg von
Nazis wird häufig der Mangel zivilgesellschaftlicher Strukturen benannt; so genannte zivilgesellschaftliche Akteure beklagen wiederum, sie seien zu wenige und aus zahlreichen Antifazusammenhängen wird die Kritik laut: Die deutsche Zivilgesellschaft ist nationalistisch, rassistisch und beerbt ohnehin nur die Volksgemeinschaft der Nazis.
Ausgehend von den wichtigsten Theorien zur „Zivilgesellschaft“ stellt der Vortrag die Frage, ob hierzulande überhaupt von „einer“ Zivilgesellschaft gesprochen werden kann und wird ausgehend von einer Kritik der referierten Ansätze eine alternative Zustandsbeschreibung der gesellschaftlichen Verfasstheit und der Bedeutung des Nationalismus entwickeln.

Reitbahnstraße 84 | Dienstag, 20. Oktober 2009 | 19 Uhr
Deutschland und die Herrschaft der falschen Freiheit. Vortrag von T.O.P. B3rlin
Anlässlich des 9. November unternimmt die BRD noch einmal eine letzte Anstrengung dieses Jahr, dem anstehenden
Jubiläumskalender historischer Wendemarken „deutscher“ Geschichte feierlich-staatstragend und „in Würde“ zu folgen und der nationalen Befriedungssause Deutschland eine Fanmeile in Berlin zu geben, wo jeder mitmachen darf, kann und soll. Diesem „Fest der Freiheit“, bei dem sich Deutschland anlässlich des Mauerfalls als freiheitsliebender Friedenstifter geriert, wollen wir mit einer antinationalen Aktion begegnen, die eingebettet ist in der Kampagne
„STAAT.NATION.KAPITAL.SCHEISSE. Gegen die Herrschaft der falschen Freiheit“ des UmsGanze-Bündnisses. Vorgestellt werden soll die Kampagne, in der die Kritik am Konzept der Nation an die aktuelle Erinnerungspolitik des
befriedeten Exportweltmeisters Deutschlands anlässlich 60 Jahre Grundgesetz (als Gründungsmythos der BRD) und 20 Jahre Wiedererlangung der Souveränität (als Gründungsmythos des neuen Deutschlands) geknüpft wird.

Reitbahnstraße 84 | Donnerstag, 5. November 2009 | 19 Uhr
Dresden, 13. Februar – Geschichtsdiskurse und ihr Verhältnis zur Nation
Die Debatte um den Umgang mit der bundesweit größten Neonazidemonstration, dem ‚Trauermarsch’ anlässlich der alliierten Bombardierungen am 13./ 14. Februar 1945 in Dresden, gerät meist dann an ihre Grenzen, wenn das Dresdner Gedenken auf seine Anschlussfähigkeit für die neonazistische Opferpropaganda untersucht wird. Die Frage ist dabei, ob die erinnerungskulturellen und geschichtspolitischen Vorstellungen einzelner städtischer, parteilicher, zivilgesellschaftlicher und religiöser AkteurInnen lange Zeit eine Vorlage für die rechtsextreme Verdrehung von TäterInnen und Opfern boten oder ob ‚extremistische Gruppierungen’ das Gedenken einfach ‚missbrauchen’.
Eine Antwort lässt sich nur dann finden, wenn einerseits gegenwärtige Zielsetzungen der lokalen AkteurInnen (Engagement für Frieden und Versöhnung, ZeitzeugInnenarbeit, NS-Lokalgeschichtsforschung, Kritik rechtsextremer Ideologie und Organisierung) einbezogen werden. Und wenn andererseits anerkannt wird, dass die lokale Diskussion um den Umgang mit den ‚Dresdner Opfern’ Teil des bundesweiten Vergangenheitsdiskurses, der Debatte um ‚deutsche Opfer’ und die ‚universale Viktimisierung’ und letztendlich der nationalen Identitätsbildung ist.

TU Chemnitz | Donnerstag, 26. November 2009 | 19 Uhr
„Was deutsch ist“ – Vortrag von Joachim Bruhn von der Initiative Sozialistisches Forum (ISF)
Der Referent widmet sich mit dem ca ira Verlag und der Gruppe isf freiburg seit zwei Jahrzehnten der Kritik der deutschen Gesellschaft, ist als Autor, war und ist als Herausgeber von Büchern u.a. von Johannes Agnoli und als Vortragsreisender aktiv. Formuliert wird eine grundlegende Kritik an Wertvergesellschaftung und ihrer deutschen Spezifik bis zur aktuellen Formation als „Staat des Grundgesetzes“. Es bereitet „nicht die geringste Mühe, auf die Frage
danach, was deutsch ist, die Auskunft zu geben: Herrschaft, Verwertung und Vernichtung“, so Joachim Bruhn in einem Buch „Was deutsch ist – Zur Kritschen Theorie der Nation“.

Die Veranstaltungsreihe wird organisiert vom AK „Reflektieren gegen Deutschland“ in Zusammenarbeit mit dem Bildungskollektiv Chemnitz und dem Haśek e.V. Kontakt: AK „Reflektieren gegen Deutschland“ c/o Haśek e.V., Reitbahnstraße 84, 09111 Chemnitz, bildungskollektiv(at)gmx.de.


12 Antworten auf “HalluziNation Deutschland – Beiträge zur Therapie einer Zwangsvorstellung. Teil II”


  1. 1 Revellio 25. September 2009 um 19:51 Uhr

    Gibts Skripte von den Vorträgen? Damit man sich überlegen kann, ob man euch mal einläd.

  2. 2 bk 04. Oktober 2009 um 17:57 Uhr

    für antide2009, T.O.P. und isf bitte direkt an die referentInnen wenden, die anderen werden angefragt!

  3. 3 bk 19. Oktober 2009 um 17:03 Uhr

    @Revellio: schreib uns bitte über den kontakt an!

  4. 4 bk 21. Oktober 2009 um 17:34 Uhr

    leider fiel der gestrige vortrag (t.o.p.) einem enormen stau zum opfer. deshalb gibt es an dieser stelle auch keinen mitschnitt, aber hoffentlich bald einen neuen termin zu vermelden.

  5. 5 Max 21. Oktober 2009 um 18:02 Uhr

    Damit die Enttäuschung nicht gar so groß wird: :-)

    20 Jahre Mauerfall: Wie ist Deutschland zu kritisieren? (Diskussion im FSK Hamburg)

    Teil 1
    http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=30334

    Teil 2
    http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=30335

  1. 1 Fortsetzung der Vortragsreihe „Halluzi-Nation Deutschland“ « Antifaschistische Gruppe Freiberg Pingback am 25. September 2009 um 18:04 Uhr
  2. 2 Vortrag: Aktivbürger, Zivildienstleistende und stille Gesellschafter. Facetten „der“ Zivilgesellschaft in Deutschland « Emanzipatorischer Progress Mittleres Erzgebirge Pingback am 27. September 2009 um 22:49 Uhr
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  7. 7 „Was deutsch ist“ – Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn von der Initiative Sozialistisches Forum « Antifaschistische Gruppe Freiberg Pingback am 17. November 2009 um 16:03 Uhr
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