Archiv für Mai 2009

Vortrag: Homophober Orient, toleranter Westen?

Dienstag 9. Juni | TU Chemnitz, Raum N010 | 17.00 Uhr

Vortrag & Diskussion mit Georg Klauda

Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung „Homosexueller“ immer wieder in den Blickpunkt der Medien, und wenn sich hierzulande deklassierte Halbstarke aggressiv gegenüber Schwulen zeigen, fragt man reflexhaft nach ihrem „kulturellen Hintergrund“. Dabei ist die klassische türkische und arabische Liebeslyrik voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des „aufgeklärten“ Abendlands vergeblich sucht.

Angesichts dieses Widerspruchs zeichnet der Referent die Konzepte mann-männlicher Liebe und Lust in christlichen und muslimischen Gesellschaften vergleichend nach. Er zeigt den historischen Anteil des Westens an der Formierung antihomosexueller Diskurse in der islamischen Welt und belegt, dass auch in Deutschland – trotz aller gegenwärtigen Liberalität – von einer Auflösung des heteronormativen Korsetts keine Rede sein kann.

Georg Klauda, Dipl. Soz., geb. 1974, ist Autor des im Oktober 2008 im Hamburger Männerschwarm-Verlag erschienen Buches Die Vertreibung aus dem Serail : Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Neues Hörsaalgebäude (TU), Reichenhainer Str. 90

HalluziNation Deutschland – Beiträge zur Therapie einer Zwangsvorstellung. Eine Vortragsreihe zur Kritik von Staat und Nation.

Seminarreihe in der Reitbahnstraße 84

Es ist 2009 und Deutschland feiert sich wieder einmal selbst.
In unzähligen Jubiläumsveranstaltungen wird wahlweise die Gründung der BRD 1949, die Wiedervereinigung 1989 oder ganz allgemein die deutsche Nation bejubelt. Denn darin sind sich PolitikerInnen, Medien und Zivilgesellschaft weitgehend einig: auf 60 Jahre Demokratie und soziale Marktwirtschaft im Westen und friedlich aufbegehrende Ostdeutsche, welche 1989 für Freiheit und Nation auf die Straße gingen, könne man stolz sein. Getrübt wird die Feierlaune gegenwärtig höchstens durch die Hiobsbotschaften über die Wirtschaftskrise, aber auch dagegen sollen die Deutschen mit ihrem Einsatz für Arbeit den Standort retten. Anstatt diesen Aufruf zurückzuweisen, schwenken sie gerne Fähnchen und schreien nach Vater Staat. Wie kann in Anbetracht von sozialen Kürzungen und schlechten Fußballs der Ruf nach Deutschland so laut sein? (mehr…)