Archiv für Februar 2009

Film und Diskussion: Antifascist Attitude (RUS)

Freitag 13. März | 19.00 Uhr | Reitbahnstraße 84

In den letzten Monaten gelangten verstärkt Berichte in die Medien, die über den faschistischen und rassistischen Terror gegen MigrantInnen und Linke in Russland berichten. Vor allem die Angriffe auf nicht slawisch aussehende Menschen haben ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Im April 2007 wurde zum Beispiel der 18 jährige rassistische Massenmörder Artur Ryno aus Jekaterinburg verhaftet. Er gestand den Mord an 37 Menschen nichtrussischer Herkunft.
Wer sich offen gegen Nazis stellt, gerät ebenso ins Visier der gewaltbereiten rechtsradikalen Szene. Im Internet erscheinen regelmäßig Gewaltaufrufe mit Fotos, teilweise sogar unter Angabe der Wohnanschrift, ebenso wie Videos, in denen sich Nazis mit Übergriffen und sogar Morden feiern.
Seit dem Jahr 2004 töteten Neonazis den Wissenschaftler Nikolaj Girijenko und vier junge Antifaschisten: Timur Katscharawa (Petersburg), Aleksandr Rjuchin (Moskau), Stanislaw Korepanow (Izhewsk), Ilja Borodaenko (Angarsk). Im Oktober 2008 wurden zwei weitere Antifaschisten ermordet. In Moskau lauerten die Täter dem antirassistischen Skinhead Fjedor Filatov vor seiner Wohnung auf, in Irkutsk starb die 16jährige Olga Rukosyla vermutlich wegen ihres alternativen Äußeren. Mitte Januar 2009 wurden in Moskau der Anwalt Stanislaw Markelow und die Journalistin Anastasia Baburowa, beides aktive Antifaschisten, von einem Unbekannten ermordet.

Die Dokumentation „Antifascist Attitude“ (RUS 2008, 73 min.) eines autonomen Medienkollektivs aus Russland zeigt antifaschistische Aktivitäten und stellt in Interviews Antifas aus Moskau, St. Petersburg und Irkutsk vor, denjenigen russischen Städten mit einer vergleichsweise starken antifaschistischen Bewegung. „The interviews are with anarcho-antifascists, human right groups, RASH, SHARP and „Moscow Trojan Skins“, the antifascist hardcore band WHAT WE FEEL, anarcho-punx and the murdered lawyer Stas Markelov (murdered on 19.01.2009, RIP).“
Ein Aktivist des Medienkollektivs steht anschließend für Fragen zur Verfügung. Er tourt derzeit durch Europa und möchte Kontakte zu antifaschistischen Gruppen knüpfen und über die Situation in Russland informieren. (mehr…)

Dissolution: Wie mediale Erinnerungspolitik Geschichte in Bilder auflöst.

Donnerstag 05. März | 19.00 Uhr | Reitbahnstraße 84

Vortrag und Diskussion mit Antonia Schmid, Wuppertal

Entgegen den offiziellen, hoch ritualisierten Gedenkveranstaltungen werden in Deutschland heute vor allem die „eigenen“, will heißen nicht-jüdischen Opfer erinnert. Im kollektiven Gedächtnis ist die Shoah ebenso wie deren vermeintlich alleinige Urheber, „die Nazis“, vom einfachen, normalen Deutschen abgespalten, die so in der Opferrolle imaginiert werden können. Seit 1989 wird deutsches Opfertum verstärkt populärkulturell thematisiert. Die Wirkung solcher nationalen Selbstbilder auf Geschichtsbewusstsein wird im Vortrag herausgearbeitet und problematisiert. Anhand zahlreicher Filmbeispiele wird gezeigt, wie diese Selbstviktimisierung medial umgesetzt wird und welche filmischen Strategien die aktuellen Tendenzen in der Erinnerungskultur unterstützen. (mehr…)