Archiv für Oktober 2008

Vortrag und Diskussion: Wissenschaft im Dienste von Staats- und Geldmacht: Hochschulreform als Standortressource

Donnerstag 6. November | 18.00 Uhr | TU Chemnitz (Raum N/113 im Neuen Hörsaalgebäude auf der Reichenhainer Str.)

Veranstaltung beginnt erst 19.00 Uhr!

Durch ein Versehen wurde die Veranstaltung zu zwei verschiedenen Zeiten angekündigt. Einzige mögliche Lösung: Wahl des späteren Beginns. Wir bitten um Entschuldigung.

Vortrag und Diskussion mit Freerk Huisken (Gegenstandpunkt)

Hochschulpolitiker sind ausgesprochen selbstkritisch. Ihnen erscheinen ein gebührenfreies Studium von mehr als acht Semestern, Prüfungen nur am Ende des Studiums, der Beamtenstatus der Lehrenden und die freie Wahl von Forschungsgegenständen wie eine Einladung zur Faulheit. „Zu lange Studienzeiten“, „zu wenig Zwang zur Leistung“, „zu wenig ökonomische Effektivität“, „zu wenig Konkurrenz“, lautet ihr Befund. Für sie steht fest, dass die Unis nicht genug von dem leisten, was die Nation bräuchte: Mehr Wachstum, mehr Attraktivität des Standorts für internationale Geldanleger, größere (Wissens-)Vorsprünge in Sachen Produktivität vor dem Rest der Welt.
Sie lasten also dem Bildungssektor so manche Krise und jede Wachstumsschwäche des Kapitals an und versprechen sich von seiner Korrektur größere deutsche Erfolge auf dem Weltmarkt. Der ganze Sektor leistet für sie in dieser Hinsicht einfach zu wenig – für das Geld, was er kostet; und er kostet zu viel, für das, was er leistet. Das Credo der Reform heißt deshalb: Für das Geld, das der Staat ausgibt, und in den Einrichtungen, die er längst geschaffen hat, mehr Leistung erzwingen. (mehr…)

Vortrag: Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs

Freitag 21. November | 19.00 Uhr | Reitbahnstrasse 84

Vortrag und Diskussion mit Colin Goldner

Der Vortrag wirft einen Blick hinter die Fassade des tibetischen „Gottkönigs“. Er zeigt, dass das „alte Tibet“ unter der Herrschaft der Lamas keineswegs das „Paradies auf Erden“ darstellte, das der Dalai Lama und seine Anhängerschaft stets beschwören, vielmehr die Geschichte des Landes geprägt war von Gewalt und gnadenloser Unterdrückung und Ausbeutung der Menschen.

Es werden die wesentlichen Glaubensinhalte des tibetischen Buddhismus dargestellt, von Karma und Wiedergeburt hin zu den Wahnvorstellungen von Dämonen, Teufeln und ewiger Höllenpein; der Blick richtet sich zudem auf densystematischen Mißbrauch kleiner Kinder und die frauenverachtenden tantrischen Rituale, die dem Lamaismus wesenseigen sind. Untersucht werden auch die vielgerühmten „Weisheiten“ des Dalai Lama , die sich bei näherer Hinsicht als Platitüden mit teilweise bedenklich rechtslastigem Einschlag entpuppen. (mehr…)

Tagesseminar: Feminismustheorien jenseits von Gender Mainstreaming. Einführung in das Wertabspaltungstheorem

Sonntag 26.10. | 13.00 bis 19.00 Uhr | Rothaus Chemnitz

Tageseminar mit Roswitha Scholz (Gruppe Exit!)

In den 90er Jahren dominierten im akademischen Feminismus poststrukturalistische Theorien. Marxistische Ansätze waren im Gegensatz zu den 70er und 80er Jahren marginalisiert. Statt nach einem neuen Totalitätsverständnis zu suchen, das neuere Entwicklungen wie den Niedergang des realexistierenden Sozialismus zu erklären imstande wäre, wandte man sich Kulturalistischen Konzeptionen zu. Mittlerweile hat sich die Situation jedoch wieder geändert. Mit einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen Lage und einer immer stärker hervortretenden „sozialen Frage“ stieg auch das Interesse an einer Kritik der „politischen Ökonomie“ wieder an. Damit allerdings geraten Sexismus, aber auch Rassismus, wieder einmal in Gefahr, zu Nebenwidersprüchen“ zu verkommen. (mehr…)

Vortrag: Was ist Ökofaschismus? Ursprünge und Gemeinsamkeiten von rechter Ökologie und faschistischer Ideologie

Dienstag 4.11. | 19.00 Uhr | Reitbahnstraße 84

Vortrag und Diskussion mit Patrick Pritscha

„Umweltschutz ist Heimatschutz“ – unter diesem Motto sind rechtsextreme Gruppierungen seit Jahren aktiv, wenn es um Ökologie geht. Auf den ersten Blick könnte mensch meinen, es handle sich dabei um einen Versuch, in der Ökologiebewegung auf Stimmenfang zu gehen oder, wie schon bei der Kritik am Kapitalismus, ein scheinbar linkes Thema mit eigenen Inhalten von rechts zu „besetzen“. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Verbindung von rechtsextremen Gedankengut und Ökologie keineswegs ein Phänomen der Gegenwart ist. Der israelische Historiker Zeev Sternhell zeigt in seinem Buch Faschistische Ideologie“, dass sich bereits am Ende des 19. Jahrhunderts Denkströmungen entwickelt hatten, welche dann zu den wesentlichsten Kernelementen des Faschismus wurden. (mehr…)

Vortrag: Scheitern und Zukunft kommunistischer Gesellschaftskritik

Dienstag 28.10. | 19.00 Uhr | Reitbahnstrasse 84

Vortrag und Diskussin mit Hannes Gießler von der Leipziger Gruppe in Gründung

Ist der Kommunismus gescheitert? Oder nur schief gegangen? Oder wurde mit dem „real existierenden Sozialismus“ etwas umgesetzt, dass dem Kommunismus gar zuwider lief? Hannes Gießler glaubt, dass kommunistischer Gesellschaftskritik drei Irrtümer zugrunde lagen, die mehr oder weniger auf die schiefe Bahn des real existierenden Sozialismus führten. Erstens: dass das Proletariat ein revolutionäres Subjekt ist, ist falsch und diente schließlich nur der Huldigung der Arbeit und der Indienstnahme und Verherrlichung der arbeitenden Bevölkerung. Zweitens: Marx hat sich um die Frage herumgedrückt, ob eine „gemeinschaftliche Kontrolle“ (Marx), im Gegensatz zu der über den Markt vermittelten kapitalistischen Produktion, nicht die totale Verstaatlichung und Kollektivierung der Gesellschaft bedingen muss. Genau das geschah in der Praxis: die Kontrolle und Kollektivierung der Produktion führte zur Kontrolle und Kollektivierung aller Individuen zuungunsten ihrer Freiheit. Drittens: Marx deklarierte den Kommunismus als Auflösung des Widerstreits von Individuum und Gattung. Doch das war nur schön gesagt. Es kam anders: der Widerstreit wurde in der Annahme, dass das größtmögliche Allgemeinwohl letztlich auch dem Wohl des Individuums dienst, zuungunsten des Individuums entschieden. Anders gesagt: Die soziale Frage wurde zuungunsten der Freiheit beantwortet. (mehr…)

Vortrag: Revolutionstheorie und Fetischkritik – Guy Debord und die Situationistische Internationale

Donnerstag 27.11. | 19.00 Uhr | Reitbahnstrasse 84

Veranstaltung mit Negator (Studienbibliothek, Hamburg) und Stefan Grigat (Cafe Critique, Wien)

„Sicher, der Situationismus ist nicht das Gespenst, das in der industriellen Revolution umgeht, nicht mehr als 1848 der Kommunismus das Gespenst war, das in Europa umging.“
Francois Chatelet, Nouvel Observateur vom 3. Januar 1968

Die Verhältnisse in deutschen Landen bleiben wie immer unter aller Kritik. Vierzig Jahre nach 1968 wird durch Eichinger und Co. die Stadtguerilla um Baader und Meinhof in das Gedächtnis des Gartenzwergelands heimgeholt und damit gleichzeitig der Schrecken des linken Terrors gehegt und gepflegt. Wird in Deutschland in Bezug auf 1968 fast nur über individuelle Gewaltakte reflektiert, war mensch in Frankreich analytisch schon vor Jahren mit dem Urteil über 1968 weiter, als Michel Houellebecq die postfordistische Umwälzung nach dem Aufstand in den Straßen als „Ausweitung der Kampfzone“ im Sinne der kapitalistischen Verwertung verdammte. (mehr…)

Vortrag: Der Arbeitslohn – Lohnkampf und Gerwerkschaft heute

Montag 20.10. | 19.00 Uhr | Reitbahnstrasse 84

Vortrag und Diskussion mit Peter Decker (Redaktion GegenStandpunkt)

Das ausgebeutete Proletariat, so wie es der alte Marx kannte, gibt es angeblich nicht mehr. Zweifellos aber gibt es noch den Arbeitslohn, mit dem freie Unternehmer sich die Arbeit kaufen, die ihnen Gewinn bringt. Wo Arbeit käufl ich ist, ergeht es ihr wie jeder Ware: Der Käufer kauft sie so billig ein, wie er nur kann, macht von ihr aber zugleich einen möglichst ausgiebigen Gebrauch. Der Verkäufer dieser Ware, die nicht zum Zweck des Verkaufs auf die Welt gekommen ist, verhält sich dagegen gar nicht wie ein normaler Verkäufer. Er stellt sein Angebot nicht ein, verlegt sich nicht auf den Verkauf anderer Ware, wenn der Preis für Arbeit schlecht steht. Er verkauft unbedingt – also zu jedem Preis, weil er vom Arbeitslohn leben muss. So nimmt er, was er kriegt. Den Preis für seine Ware bestimmt alleine das Gewinnkalkül des Käufers. (mehr…)