Vortrag: Willkommen im Zombiecasino!

Anlässlich 18 Jahre AJZ Chemnitz
13. September 2008
17 Uhr Mediencafe M54 (AJZ Chemnitz, Chemnitztalstraße 54)
Vortrag und Diskussion mit Roger Behrens

Willkommen im Zombiecasino!
Vortrag und Diskussion mit Roger Behrens zum Thema Popkultur und Alternatives Jugendzentrum.
In welchem Verhältnis stehen linke Politik und Popkultur?
Wie lässt sich ein emanzipatorischer politischer Anspruch heute im Rahmen von Kulturprojekten verwirklichen?
Welche Probleme treten dabei auf?

Rotfuchs und Egon Krenz sind der Beweis: Die ostdeutsche Staatslinke hat schlechten Geschmack. Als guter Staatsverwalter machen sie sich aber ihre Gedanken und ihre Sache. Abseits dieser Linken gab es einst eine an Idealen wie Independent, DIY und Subversion orientierte Kulturlinke, deren Bastionen in erster Linie Musikzeitschriftenredaktionen, AJZs, Squats und Fahrradwerkstätten waren, deren Irrelevanz aber mehr und mehr zu Tage tritt.
Popdiskurse funktionierten, solange Mindeststandarts gewahrt werden konnten. Wer die richtigen Musikzeitschriften las, wusste z.B., dass die Onkelz Dreck sind und Techno manchmal gar nicht so doof ist. Das Hefte wie Spex nur die bessere Konsumberatung abliefern, merkten einige schon in den 90er Jahren an. Doch der Vorwurf der „fat bitch“ kam von Leuten wie ec8or auf, die ihren subversiven Sinn im Erstellen der Begleitmusik für schmissige Scherbendemos fanden. Im Übrigen: je tiefer die Provinz, umso irrelevanter diese Diskurse überhaupt.
Mit dem Einzug der NPD in den sächsischen Landtag erlebte allerdings die Popantifa ihren bis dato letzten Frühling. Kampagnen wie „Schöner leben ohne Naziläden“ oder „Good night white pride“ versuchten Subkultur noch einmal links zu wenden. Ein Anliegen, das die Kampagneros zunehmend selbst zum verzweifeln bringt. Zu Recht.
Die Illusionen der kulturellen Wirkungsmacht rühren aus der Zeit voller alternativer Jugendzentren her und der gerade im Osten unkomplizierten Aneignung geschlossener Räume. Elendsverwaltung in Eigenregie ist die Devise.
Doch misslingt zunehmend sogar der so hochgehaltene antifaschistische und antisexistische Abwehrkampf, wenn aus Gründen der Rentabilität oder des Darniederliegens des Ehrenamtes der eine oder andere Fascho oder Macho ungeschlagen zu Gast sein darf. Trotzdem werden Antifaflyer immer noch in Jugendzentren ausgelegt und meist ausschließlich dort und die Veranstalter wünschen sich Bands mit der „richtigen Einstellung“.
Anspruch und Kundenfreundlichkeit treten immer weiter auseinander und nicht nur das. Auch die Wirklichkeit hinter den Kulissen ist nicht gerade zum Anbeißen. Der Verwertungszwang herrscht allerorten unumschränkt, wo nicht gerade ein Tässchen Kulturfördermittel den Zustand etwas abmildert.
Welchen Zweck hat also die Tätigkeit eines Alternativen Jugendzentrums heute, wenn die Szene „ein Zombie“ ist?
Mit Roger Behrens, der seit Zeiten mit der kritischen Theorie der Popkultur befasst ist, werden wir im Jahr der Hochschulreife des AJZ über diese Probleme diskutieren. Das mit dem Abi ist natürlich bürgerlicher Mist, ist aber nicht so gemeint.

Roger Behrens ist Philosoph und Sozialwissenschaftler. Seine Arbeitsgebiete sind die kritische Theorie der Gesellschaft sowie die Philosophie und Ästhetik der Moderne und Postmoderne.
Er ist Mitherausgeber von Testcard. Beiträge zur Popgeschichte und veröffentlichte u.a. Postmoderne (EVA: Hamburg 2004), Kulturindustrie (transcript: Bielefeld 2004), Die Diktatur der Angepassten. Texte zur kritischen Theorie der Popkultur (transcript: Bielefeld 2003) und ein Adorno-ABC (Reclam: Leipzig 2003)
http://www.rogerbehrens.net/


7 Antworten auf “Vortrag: Willkommen im Zombiecasino!”


  1. 1 porth 17. Oktober 2008 um 14:21 Uhr

    übrigens, behrens wurde kürzlich als dümmster mensch der welt bestimmt. „…der immerhin nach Roger Behrens, Ivo Bozic, Stefan Grigat, Robert Anton Wilson, Gerhard Scheit, diesem Egotronic-Deppen und Gregor Gysi achtdümmste Mensch der Welt…“ hier stehts: http://lyziswelt.blogsport.de/2008/10/03/kulla-zensierender-anarcho-discord-commuenist/

  2. 2 lyzis welt 17. Oktober 2008 um 17:24 Uhr

    „übrigens“, lol.
    Die Nachricht von seiner integralen Dummheit nehmen die Behrens-jünger, -fans, -unterstützer und -leser des bildungskollektivistsichen Pop-Undergrounds mal so als ne Nebensächlichkeit, obwohl das selbst bürgerlichen Journalisten schon seit Jahren klar ist: http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~EA07A4317186F47AD8E34162BAC9E5E9B~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Aber sowas kommt in Bad Blogheim eh erst immer 10-20 jahre später an, war klar.

    „Wenn diese drei Schritte absolviert sind, hat der Leser von Adornos Denken zwar nur den „Sound“, aber die Ikone ist samt der Plattensammlung und der äußerst kritischen Geste gegenüber allen Dingen außerhalb des Jugendzimmers geschwätzig in Sicherheit gebracht. Der Preis dafür, den Roger Behrens aber gern bezahlt hat, ist ein Beitrag zum vollendeten Verblödungszusammenhang.“

    Q.e.d.

  3. 3 pohrt 17. Oktober 2008 um 20:09 Uhr

    warte erstmal ab bis die mp3 online ist!

  4. 4 lyzis welt 21. Oktober 2008 um 23:22 Uhr

    Ich finds allgemein belustigend, dass sich ausgerechnet immer die ungebildetsten, ahnungslosesten und bildungsfeindlichsten Irren als „bildungskollektiv“ oder ähnlichem zusammenrotten.
    Kein Wunder, dass der hauptberufliche Totalverblöder Behrens da mitmacht. :D DD

  5. 5 bk 24. März 2009 um 8:14 Uhr
  6. 6 Pauschalreisen 27. Mai 2009 um 9:13 Uhr

    Popkultur…schön ung gut zur leichten Hintergrundbeschallung im Radio auf der Arbeit oder im Auto auf der Autobahn im Stau…aber qualitative Ansprüche oder aussagekräftige Themen darf man nicht erwarten.
    Andererseits, ich kann natürlich nur für mich selbst sprechen, bin ich durch unzählige Bekannte, die sich total der linken Szene verschrieben haben und höchst angagiert in z.B. angesprochenen Jugendzentren sind,auch gut informiert über Musik mit politischen Aussagen(linekr punk/rock)…und ich muss sagen, dass mir diese „Propaganda“ langsam stinkt. Es ist in meinen Augen einfach „too much“…und ich möchte einfach in Ruhe Musik genießen können ohne wieder mit politischen Reden zubombardiert zu werden.
    Wo ich es als Privatmensch für zu viel und übertrieben halte, bin ich dennoch über Musikentwicklung von den 60-Jahren bis heute informiert udn aus soziologischer Sicht interessiert daran, wie andere Menschen das empfinden. Ich werde mir also bei nächster Gelegenheit gerne die Diskussion mit Roger Behrens anhören und für mich selbst hobbie-philosophieren.

  1. 1 Vorträge jetzt hören! « BILDUNGSKOLLEKTIV.blogsport.de Pingback am 26. März 2009 um 11:00 Uhr
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