Zum Hundertneunzigsten: Über die Aktualität von Marx neben Marx.

Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Staatensystems sah es so aus, als hätte sich der Kapitalismus weltweit und auf alle Zeit als alternativloses Wirtschaftssystem und Gesellschaftsmodell durchgesetzt. Marx wurde als unzeitgemäß, vermeintlich von der Praxis widerlegt verworfen und totgesagt. Resignation in der “Linken” machte sich breit und eine Gesellschaft jenseits kapitalistischer Zumutungen erschien und erscheint den meisten Menschen nur noch als eine völlig realitätsferne Utopie. Aber Totgesagte leben bekanntlich länger. Im Gegenteil zur Rede von einem “Ende der Geschichte” machte die jüngere Vergangenheit deutlich, dass der Kapitalismus auch nach seinem scheinbaren Sieg weiterhin mit Kriegen, Krisen und Verelendung einhergeht. Diese Entwicklungen wurden von verschiedenen Bewegungen aufgegriffen und zum Ansatzpunkt von Kritik gemacht. Insbesondere die “globalisierungskritische” Protestbewegung wurde in diesem Zusammenhang zu einem Akteur des Widerstandes gegen – gegen was eigentlich? Und wofür?

Im Verlauf der Auseinandersetzungen tauchen immer wieder grundsätzliche Fragen auf: Wie funktioniert der gegenwärtige Kapitalismus, wie hängen Kapitalismus, Staat und Krieg zusammen und was ist systemimmanent überhaupt an Veränderung möglich? Spätestens seit den Debatten um die “Heuschreckenschwärme” ist von einer neuen Kritik am Kapitalismus die Rede, Marx schaffte den Sprung auf die Titelseiten großer deutscher Zeitungen. Die Frage ist allerdings, was das ganze mit Marx zu tun hat. Welcher Begriff vom “Kapitalismus” wird sich hier gemacht? Was sind die Gegenstände der Kritik oder will man eigentlich bloß zurück zu einem staatlich regulierten und “zivilisierten” Kapitalismus und auf die Krisen gern verzichten? Woher kommt nochmal die permanente Krise?

Marx war es, der den Gegenstand seiner Kritik im Kapitalismus “im idealen Durchschnitt” sah und die Analyse der inneren Widersprüche der bürgerlichen Gesellschaft mit dem Ziel ihrer Überwindung verband. Marx analysierte vor 150 Jahren die destruktive Logik des kapitalistischen Akkumulationsprozesses in ihren Grundzügen, eine Logik die von derart unverschämten Verhaltenszumutungen an die Menschen geradezu strotzt und die neben obszönen und geschmacklosen Reichtum eine derartige Massenarmut im Weltmaßstab erzeugt. In seiner blindwütigen Dynamik ist der Kapitalismus von solch unerhörten Katastrophenpotenzen gezeichnet, dass dessen Fortbestehen des Kapitalismus geradezu unvermeidlich immer wieder neue Motive und Gedanken radikaler Kritik hervorbringen muß.
Allein das verweist bereits auf die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit dem Denken von Karl Marx. Aber wie für jedes theoretische Denken, das über das Verfallsdatum eines bestimmten Zeitgeistes hinausreicht, gilt auch für das Marxsche Werk: es bedarf immer einer jeweils neuen Annäherung, die neue Seiten entdeckt und alte Interpretationen verwirft. Die Antwort auf die Frage wie der Kapitalismus funktioniert, hat eben auch unmittelbar praktische Relevanz für jede sich kapitalismuskritsch verstehende Bewegung.

Im früheren Karl-Marx-Stadt steht bekanntlich immer noch das Karl-Marx-Monument und eben dieser wurde am 05. Mai 1818 geboren. Zum 190. Geburtstag von Karl Marx soll hier am 03. Mai ein Symposium zur Aktualität von Marx stattfinden.
Als Referenten für das Open-Air-Symposium (und damit auf der Straße!) sind Ingo Elbe und Robert Kurz, zwei Repräsentanten aktueller linker Theoriebildung und gründliche Marxleser eingeladen. Ingo Elbe (Dortmund) ist Mitautor des Buches „Das Kapital neu lesen. Beiträge zur radikalen Philosophie, Münster 2006″, hat an der Ruhr-Universität Bochum Philosophie studiert und promoviert zur Zeit zu dem Thema „Marxrezeption in der Bundesrepublik“. Er gibt Tagesseminare zum Thema „Staatstheorien“ und gehört zum Kollektiv der Roten Ruhr-Universität Bochum. Robert Kurz (Nürnberg) ist in der wertkritischen Theoriegruppe “Exit” aktiv, die eine gleichnamige Zeitschrift herausgibt. Er lebt als Referent und freier Publizist und ist Autor u.a. der Bücher “Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt am Main 1999” und “Marx lesen. Die wichtigsten Texte von Karl-Marx für das 21. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2001”

Die Veranstaltung wird von mehreren Chemnitzer Initiativen und Projekten wie yes, der Reitbahnstraße 84, dem b-hof und dem AJZ organisiert. 2008 sind noch weitere Seminarreihen und Tagesseminare geplant, die sich nicht nur, aber auch mit Marxscher Theorie auseinandersetzen. InteressentInnen an Bildungsangeboten in Chemnitz können sich am besten an bildungskollektiv@gmx.de wenden.

Chemnitz, Karl-Marx-Monument, Brückenstraße
Samstag, 03. Mai 2008, 15 Uhr


1 Antwort auf “Zum Hundertneunzigsten: Über die Aktualität von Marx neben Marx.”


  1. 1 saeki 08. April 2008 um 22:25 Uhr

    das wird supi….

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