„Jahrhundertwende“

Film und Gespräch mit Moritz Liewerscheidt
Sonntag 19.10. | 20:00 | Weltecho

Der Essayfilm von Moritz Liewerscheidt reflektiert das Verhältnis von deutscher Gegenaufklärung und marxistischer Philosophie am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert vor dem Bildhintergrund des 21. Jahrhunderts. Aufklärerische Fortschrittsaffirmation und romantische Fortschrittskritik treffen auf die vollendeten Tatsachen einer spätkapitalistischen Gesellschaft. Aus der Kombination von gesprochenen historischen Texten aus dem Off mit Gegenwartsbildern, die ihrerseits den Kontrast von Großstadt und ostdeutscher Provinz zeigen, ergeben sich dabei oft Szenen von schlagender Absurdität. Im Fokus des Films steht vor allem die regressive Tendenz einer Fortschrittskritik, die nicht zufällig in offenen Antisemitismus mündet und außerdem deutliche Parallelen zu zeitgenössischen Formen populärer Kapitalismus- und Globalisierungskritik aufweist. Der Film zeigt auf, dass sich in ihr Kernelemente nationalsozialistischer Ideologie finden und verfolgt schlaglichtartig deren Formierung zum Weltbild. Die Konfrontation von Texten aus einer Zeit vor dem Nationalsozialismus mit Aufnahmen aus dem heutigen Deutschland macht Liewerscheidts Film gleichzeitig zu einer Auseinandersetzung damit, wie im 21. Jahrhundert mit dem Erbe des Nationalsozialismus verfahren wird. Er endet in einem entsprechenden zeitgenössischen Katastrophenbild: Junge Menschen posieren für Urlaubsfotos auf den Betonklötzen des Berliner Holocaust-Mahnmals und erfüllen damit den Wunsch des vormaligen Staatsantifaschisten und Protagonisten eines „Aufstands der Anständigen“ Gerhard Schröder, dass das Mahnmal ein Ort sein solle, „zu dem man gerne hingeht“.

Moritz Liewerscheidt studierte Geschichte und Philosophie in Düsseldorf und besuchte später die Kunsthochschule für Medien in Köln. 2012 schloss er mit dem Filmprojekt Jahrhundertwende sein dortiges Studium ab. Liewerscheidt ist außerdem Autor des Buchs „Zeit der Götter“ – Lutz Dammbeck als medialer „Waldgänger“ (AV Verlag 2014).

Jahrhundertwende: D 2012, 30 Min., R: Moritz Liewerscheidt

Eine Veranstaltung des StuRa der TU Chemnitz

Trailer: vimeo.com/81191109

„Das Geschäft mit der Musik“

Lesung mit dem dem Autoren und Liveagenturchef Berthold Seliger
Dienstag, 07.10.2014 19:00 Uhr
TU Chemnitz
Zentrales Hörsaalgebäude, Raum N 113
Reichenhainer Str. 90
09126 Chemnitz

Jeder hört Musik, doch kaum einer weiß wirklich, wie sie zum »Produkt« gemacht wird.

Berthold Seliges Buch „Das Geschäft mit der Musik“ ist eine instruktive Einführung in fast alle Facetten des Geschäfts mit der Musik. Es wird erklärt, wie das Tourneegeschäft, die Plattenfirmen, das Copyright, Sponsoring oder die Gema funktionieren, und der Autor diskutiert die aktuellen Geschäftsmodelle und befasst sich mit der Rolle der Künstler und Kulturarbeiter, aber auch mit ihrer miserablen sozialen Situation.

Doch dieses Buch ist auch eine Streitschrift für eine andere Kultur. Fast alle Bereiche des Musikgeschäfts werden heute von Großkonzernen dominiert – die Vielfalt der Kultur ist längst in Gefahr. Gleichzeitig erleben wir den Quotenterror – es zählt nur noch, was sich »verkauft«.

Die Verhältnisse werden von Monopolen und der Politik, die den »Staatspop« fördert, bestimmt. Dem setzt Seliger ein Plädoyer für eine selbstbestimmte Kunst entgegen, die nach anderen Kriterien als denen des “Marktes” bewertet werden sollte.“ (Verlag: edition TIAMAT)

“Berthold Seliger ist der Konzertveranstalter mit Haltung. In diesem Jahr feiert seine Agentur 25-jähriges Jubiläum, Patti Smith, Calexico, Lambchop, Pere Ubu gehören zu den Künstlern. Zudem lässt Seliger es sich nicht nehmen, regelmäßig seine Ansichten über den Musikmarkt zu veröffentlichen. In Medien wie Konkret und Der Freitag äußert er sich klar, sein monatlicher Newsletter gleicht bisweilen einem Brandbrief – und gehört zu den wenigen in »der Branche«, die tatsächlich gelesen werden. In Das Geschäft mit der Musik verdichtet er nun seine aus Erfahrung gewonnen, bekannten Positionen.” (Spex – Oktober 2013)

Eine Veranstaltung des Bildungskollektivs, des Studentenrates der Technischen Universität Chemnitz und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen

VA-Reihe „Die Banalität des Rassismus“

Auf folgende Reihe weisen wir gern hin:

Die Banalität des Rassismus – Veranstaltungsreihe 02.10. – 17.11.2014

In einer Gesellschaft in der über den alltäglichen Rassismus geschwiegen und eine „Willkommenskultur“ postuliert wird, treten die tatsächlichen Verhältnisse in den Hintergrund. Die Reihe möchte einen Beitrag zur Diskussion um Flucht, Migration und Einwanderungsgesellschaft leisten.
Eine Kooperation zwischen der Juniorprofessur Interkulturelle Pädagogik der TU Chemnitz, Netzwerk Flucht und Migration, Hašek e.V. und der Volkshochschule. Gefördert durch den Lokalen Aktionsplan der Stadt Chemnitz.

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„Zufrieden, ruhig und glücklich“

Veranstaltungsreihe „Zufrieden, ruhig und glücklich“(1)
Einblicke in den Zustand der sächsischen Demokratie.

Politiker_innen und Politikberater_innen sind sich in Sachsen einig, ohne Streicheleinheiten für das regionale Sonderbewußtsein geht garnichts. „Es liegt ein Gau in Deutschlands Grenzen, zwar klein, doch unvergleichlich schön“, so las man in einem bereits während der Zeit Biedenkopfs als Ministerpräsident von der sächsischen Staatskanzlei publizierten Hymnenliederbuch mit dem Titel „Wie lieb’ ich dich, mein Sachsenland. Echte Sachsenlieder und solche, die es werden könnten.“ Die Staatsregierung erging sich in patriotischem Eigenlob. „Das Land regiert ein edler Greis, sein Tutorhaupt ist silberweiß.“ „Die Weisheit führt das Regiment im schönen Sachsenland“, denn hier „vermählt mit der Faust sich der Geist“. „Die sächsische Gemütlichkeit kennt jedermann im Reich: Der Sachse schimpft nicht gleich droff los und bleibt sich egal gleich.“ Oder kurz, wie es die FDP aktuell plakatieren lässt: “Sachsen ist nicht Berlin”. (mehr…)

Carl Schmitts faschistischer Begriff des Politischen und seine Nachwirkung in der Gegenwart

Vortrag und Diskussion mit Ingo Elbe (Rote Ruhr Uni)
Mittwoch 4. Juni 19.00 Uhr TU Chemnitz Neues Hörsaalgebäude (Reichenhainer Straße 90) Erdgeschoss Raum N 001,

Carl Schmitt (1888-1985) gilt heute nicht nur der Neuen Rechten als Meisterdenker, auch einige Linke sehen in ihm den Begründer einer wegweisenden Theorie ‚des Politischen‘. Der Vortrag skizziert dagegen kritisch den faschistischen Gehalt von Schmitts Politik- und Rechtsbegriff. Schmitt formulierte eine Kritik an bürgerlichen Rechtsprinzipien von rechts, die auf die Legitimation von autoritären Regierungsformen abzielte. Außerdem vertrat er einen auf Feindschaft und Krieg und letztlich in der Feier des möglichen Opfers des Individuums resultierenden Begriff des Politischen, mit welchem unter anderem die systematische Entrechtung und Verfolgung von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus gerechtfertigt wurde. Der Vortrag soll weitergehend zeigen, in welcher Form dieses Denken in den heutigen Debatten über die ‚Selbstbehauptung des Rechtsstaats‘ und über den ‚Kampf gegen Kosmopolitismus und Universalismus‘ aufgegriffen und fortgeschrieben wird.

Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Oldenburg. Er ist Mitherausgeber des Bandes „Anonyme Herrschaft. Zur Struktur moderner Machtverhältnisse“ (Münster 2012). 2014 erscheint die von ihm mit herausgegebene „Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie“ im de Gruyter-Verlag.

Vorträge von „Play with Fire“ online

Dank dem lieben Audioarchiv!
Hier…

Natürlich gesellschaftlich?! Eine Diskussion über Natur, Arbeit und Geschlecht

Freitag, 11.04.2014, ab 19:00 im AJZ/M54

Vortrag und Diskussion mit meine frauengruppe (Leipzig):

Auf der Ver­an­stal­tung soll ge­fragt wer­den, warum ein ma­te­ria­lis­ti­scher Fe­mi­nis­mus auf Be­stim­mun­gen von Natur und Na­tur­be­ar­bei­tung zu­rück­grei­fen muss, statt – wie im De­kon­struk­ti­vis­mus üb­lich – die ter­mi­no­lo­gi­sche Tren­nung zwi­schen bio­lo­gi­schem und so­zia­lem/ge­sell­schaft­li­chem Ge­schlecht auf­zu­he­ben und alles Ge­schlecht­li­che unter einen Be­griff von „gen­der“ zu fas­sen, der nicht mehr zwi­schen ge­sell­schaft­lich kon­sti­tu­ier­tem Ge­schlechts­cha­rak­ter und na­tür­li­chen Vor­aus­set­zun­gen von Ge­schlecht un­ter­schei­det. Dem­nach wol­len wir uns dem Ver­hält­nis wid­men, in dem Ar­beit, Natur und Ge­schlech­ter­ver­hält­nis je­weils zu­ein­an­der ste­hen. Der Zu­sam­men­hang, um den es uns dabei geht, ist grob skiz­ziert fol­gen­der: Das bür­ger­li­che Sub­jekt, wie Marx und Freud es be­schrei­ben, ist de­fi­niert durch Ar­beit und Trieb­ver­zicht, also durch Be­herr­schung der Natur, der es ent­stammt und in­fol­ge sei­ner Kör­per­lich­keit ver­haf­tet bleibt. Die Über­hö­hung des na­tur­be­ar­bei­ten­den und -​be­herr­schen­den mensch­li­chen Geis­tes er­for­dert, das Na­tür­lich-​Kör­per­li­che auf die Frau ab­zu­spal­ten, deren Sub­jekt­sta­tus damit ste­tig zwei­fel­haft bleibt. Fra­gen, die wir dis­ku­tie­ren wol­len, sind: Was ist das Na­tür­li­che am Ge­schlechts­kör­per; was lässt sich dar­über aus­sa­gen? In­wie­fern hat der Ka­pi­ta­lis­mus bzw. hat die post­mo­der­ne Sub­jek­ti­vi­tät das Po­ten­zi­al, die In­di­vi­du­en vom herr­schaft­lich ver­fass­ten (Zwei-) Ge­schlech­ter­ver­hält­nis zu eman­zi­pie­ren?

Die Referentinnen von meine frauengruppe veröffentlichen u.a. im CEE IEH sowie in der Outside the Box. Die Outside the Box ist im M54 zu erwerben. In Vorbereitung auf die VA empfiehlt sich der Artikel „Natürlich gesellschaftlich?“.

Das Patriarchat ist tot, es lebe das Patriarchat?! – Ein Plädoyer für die Anliegen des klassischen Feminismus

Freitag, 14. März 2014, 19:00 im AJZ/M54

Vortrag und Diskussion mit meine frauengruppe (Leipzig):

Dass die Rede vom Pa­tri­ar­chat ge­gen­stands­los ge­wor­den sei, ist eine gän­gi­ge Dia­gno­se von ge­sell­schafts­kri­ti­scher und auch gen­der­be­weg­ter Seite, die an­ge­sichts der mitt­ler­wei­le um­fas­sen­den Gleich­stel­lung der Frau in der west­li­chen He­mi­sphä­re auf der Hand zu lie­gen scheint: Frau­en seien be­rufs­tä­tig, selbst­be­stimmt und oben­drein Kanz­le­rin, eine Viel­falt von Le­bens­ent­wür­fen stün­den ihnen zur Ver­fü­gung und vorm Ka­pi­tal seien so­wie­so alle gleich.
Doch nach wie vor ist Ge­schlecht ein nicht weg­zu­den­ken­des Struk­tur­prin­zip der Ge­sell­schaft: Men­schen wer­den wie eh und je in Män­ner und Frau­en un­ter­teilt und zu sol­chen so­zia­li­siert. Das Pa­tri­ar­chat als Ana­ly­se­ka­te­go­rie vor allem der Zwei­ten Frau­en­be­we­gung be­zeich­net die Herr­schaft von Män­nern bzw. – unter den Vor­zei­chen einer abs­trak­ten Ver­ge­sell­schaf­tung – eines männ­li­chen Prin­zips, wie sie in­ners­ter Be­stand­teil nicht nur der abend­län­di­schen Kul­tur ist. Soll­te das Ge­schlech­ter­ver­hält­nis nun plötz­lich nicht mehr herr­schaft­lich ver­fasst sein? För­dert die Leug­nung eines pa­tri­ar­cha­len Ge­fäl­les in der Ge­sell­schaft nicht letzt­lich das un­ge­bro­che­ne Fort­wir­ken der pa­tri­ar­cha­len Ideo­lo­gie – wirft es nicht vor allem Frau­en mit ihrer Viel­zahl an ge­schlech­ter­spe­zi­fi­schen Pro­ble­men, die sie ihrer So­zia­li­sa­ti­on ver­dan­ken, in die Ver­ein­zelung zu­rück, wenn wir auf­hö­ren, die Be­son­der­hei­ten weib­li­cher Sub­jekt­bil­dung zu ana­ly­sie­ren und zu kri­ti­sie­ren?

Die Referentinnen von meine frauengruppe veröffentlichen u.a. im CEE IEH sowie in der Outside the Box. Die Outside the Box ist im M54 zu erwerben!

Vortrag: Magyarische Mobilisierung – Autoritäre und völkische Krisenbewältigung in Ungarn

Dienstag 28. Januar, 18:30 im AJZ/M54
Vortrag und Diskussion mit Stefan Grigat

Der „Ungarische Bürgerbund“ Fidesz, die Schwesterpartei der deutschen Unionsparteien, betreibt mit seiner Zwei-Drittel-Mehrheit in einem atemberaubenden Tempo eine autoritäre und auf völkische Mythen rekurrierende Umgestaltung der ungarischen Gesellschaft. Sie agiert im scheinbar vorauseilenden Gehorsam gegenüber der offen antisemitischen und rassistischen Jobbik, in Wirklichkeit aber im gar nicht sonderlich heimlichen Einverständnis mit dieser. Mittlerweile liegt die in der Tradition der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler stehende Jobbik in Umfragen zwischen 20 und 30 Prozent der Wählerstimmen. Der Vortrag will zentrale Entwicklungen in der ungarischen Gesellschaft skizzieren, einen Blick auf die Bündnispartner der ungarischen Rechtsparteien werfen und der Frage nachgehen, wie die europäischen Reaktionen auf die Entwicklungen in Ungarn einzuschätzen sind.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Uni Wien, Herausgeber von „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert“ und Mitherausgeber von „Iran im Weltsystem. Bündnisses des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung“. Ein ausführlicher Beitrag von ihm zum Thema ist im Heft 2 der Zeitschrift „sans phrase“ erschienen.

Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V.

Kritik der streitbaren Demokratie

Auf zwei Veranstaltungen mit dem Autor Dr. Horst Meier am 26.11.2013 mächten wir aufmerksam machen und herzlich zur Teilnahme einladen:

Seminar „Kritik der streitbaren Demokratie“
26.11.2013, 11.30 Uhr bis 15.15 Uhr, TU-Chemnitz Hauptgebäude (Straße der Nationen 62) Raum 305

Dr. Horst Meier, Kassel (www.horst-meier-autor.de)

Wer schütz die Verfassung? Über die Vereinbarkeit von Freiheit, Demokratie und Verfassungsschutz im Lichte von NSU-Skandal und NPD-Verbot.
Dienstag, 26.11. 19.00 Uhr, Kulturkaufhaus DAStietz

Vortrag und Diskussion mit Dr. Horst Meier (Kassel)

Nach den zu Tage getretenen Verstrickungen des Verfassungsschutzes ins Neonazi-Milieu gibt es nach Horst Meier nur noch eine Option: Die Auflösung und Abwicklung des Verfassungsschutzes. In seinen Augen ist der Verfassungsschutz eine Fehlkonstruktion aus dem Kalten Krieg, die heute niemand mehr braucht – schon gar nicht eine Demokratie.“Was die deutsche Demokratie heute ist, wurde sie nicht wegen, sondern trotz des Verfassungsschutzes“
Dr. jur. Horst Meier ist Rechtswissenschaftler, Publizist und Autor des Buches „Nach dem Verfassungsschutz. Plädoyer für eine neue Sicherheitsarchitektur der Berliner Republik“ (zusammen mit Claus Leggewie).

Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V. und der Volkshochschule Chemnitz
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